Presse/Bilder Klavierklasse

Nussknacker jagt den Mausekönig

Thomas Streit, Karolina Halbig und Gernot Tschirwitz faszinierten das Publikum im Kloster Wechterswinkel

Mit einem bezaubernden musikalischen Weihnachtsmärchen wurden die Besucher des Kreiskulturzentrums Wechterswinkel auf die Festtage eingestimmt. „Nussknacker und Mausekönig“ für Klavier zu vier Händen nach der fantastischen Erzählung von E.T.A. Hoffmann mit der Musik des romantischen Komponisten Carl Reinecke faszinierte das Publikum, das in großer Zahl gekommen war, um dieses aufregende weihnachtliche Hörabenteuer zu genießen. In dem zu den „Serapionserzählungen“ des Dichters gehörigen Märchen werden die Weihnachtsspielsachen der Kinder Fritz und Marie in der Nacht lebendig. „Die Puppen und Zinnsoldaten, vor allem aber der Nussknacker, stehen in einer Art Urfehde zu dem Corps der Mäuse mit ihrem Mausekönig“, wie es die Zeitschrift „Signale für die musikalische Welt“ 1855 beschrieb. Marie wird in das unheimliche Drama hineingezogen und wird so Zuschauerin der Auseinandersetzungen beider Parteien. Am Ende aber siegt der heldenmütige Nussknacker über den intriganten Mausekönig. Dieses Märchen hat Carl Reinecke vertont. „Dabei“, so rezensierte die Fachzeitschrift, „darf die Ouvertüre als eine Art Gefühlsecho jener Geschichte gelten.“ Die Klavierlehrer sollten das Stück verwenden (…), denn die Ouvertüre „gibt Gelegenheit, ein rasches, feuriges Spiel zu erlernen und Präzision im Zusammenwirken zu erzielen.“ Und dies legten die beiden Künstler beim vierhändigen Spiel an den Tag. Der Würzburger Pianist und Komponist Gernot Tschirwitz (Secondo), der auch die musikalische Leitung innehatte, und seine 17-jährige Schülerin Karolina Halbig (Primo) faszinierten mit ihrem virtuosen Spiel. (…) Karolina Halbig besucht die 12. Klasse des Jack-Steinberger-Gymnasiums in Bad Kissingen. Mit fünf Jahren erhielt sie den ersten Klavierunterricht. Sie war mehrfach Regional- und Landespreisträgerin bei „Jugend musiziert“. Als Sprecher fungierte an diesem Abend der Bariton und Gesangspädagoge Thomas Streit aus Bremen, der als Sänger und Chorleiter im In- und Ausland konzertiert. (…)

Mainpost Bad Neustadt, 29.12.2009
pa

 

Mit viel Ruhe und schauspielerischem Übermut

Tonkünstlerverband Würzburg mit reichhaltigem Konzertprogramm

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten leidet die Kunst. Es wird gespart und gekürzt, neue Prioritäten entstehen allenthalben, Pessimismus macht sich breit, und der Idealismus der Kunstschaffenden wird auf mitunter harte Proben gestellt. Umsomehr müssen uns Beispiele privater Projekte, die mit großem persönlichen Engagement und künstlerischem Eifer verfolgt und verwirklicht werden, mit Bewunderung und Zuversicht erfüllen, zumal, wenn sie sich auf einem Qualitätslevel bewegen, der nicht alltäglich ist. In der Reihe „Tonkünstler live“ präsentierte der Tonkünstlerverband Würzburg ein reichhaltiges, auf zwei umfangreiche Konzerte verteiltes Programm, das neben der „Nacht der Jungen Pianisten“ auch selten zu hörende Werke, wie Carl Reineckes musikalisches Weihnachtsmärchen „Nußknacker und Mausekönig“ nach E.T.A. Hoffmann für Sprecher und Klavier zu vier Händen, sowie Lieder und Duette von Heinrich Grimm, Adolphe Adam und Peter Cornelius zur Aufführung brachte. Selbige befanden sich in den besten Händen: mit Sabine Zeilermeier, Regina J. Kleinhenz (beide Sopran) und Gernot Tschirwitz am Klavier wurden sie durch ein bewährtes und eingespieltes Ensemble realisiert, ausdrucksstark, stimmsicher und mit routiniertem, ausgefeiltem Zusammenspiel. So unterschiedlich diese zwei ausgeprägten und charakteristischen Stimmen sind, sie verschmelzen und ergänzen sich vorzüglich. Strahlend und festlich eröffnen sie die Konzerte mit Grimms „Hosianna dem Sohne David“ und verhelfen besonders den Weihnachtsliedern op. 8 von Peter Cornelius zu einer farbigen und erzählerischen Ausdeutung. Gernot Tschirwitz am Klavier erweist sich einmal mehr als energiegeladener, konzentrierter und ungemein sorgfältiger Begleiter. Von ihm gehen die Impulse aus, bei ihm laufen die Fäden zusammen. Ebenso in Carls Reineckes „Nußknacker und Mausekönig“, ein fabelhaftes, entschieden zu selten gespieltes Werk, das hier besonders dank des Rezitationstalents Thomas Streits zu einem aufregenden Hörabenteuer wurde. Der Chorleiter und Bariton zelebrierte den bizarren Text E.T.A. Hoffmanns mit viel Ruhe und schauspielerischem Übermut, modulierte jeder Figur ihre unverwechselbare, eindringliche Stimme und sorgte so für atemlose Aufmerksamkeit. Virtuos! Die originellen und anschaulich-programmatischen Klaviersätze zu vier Händen wurden von vier fortgeschrittenen Schülerinnen der Klasse Tschirwitz, die den jeweiligen Primopart neben ihrem Lehrer einnahmen, mit straffem Timing und entschiedenem Zugriff überzeugend mitgestaltet, und gaben damit einen Vorgeschmack auf den Abend, der ganz ihnen und den Mitschülern gehörte, und der eindrucksvoll zeigte, was kompromissloser pädagogischer und künstlerischer Einsatz für Früchte tragen kann. Stellvertretend für die zahlreichen, allesamt auf hohem Niveau musizierenden Schülerinnen und Schüler seien hier Jochen Settelein (15) genannt, der sowohl die ungewohnten Strukturen der II. Sonate von Paul Hindemith (1. Satz) detailreich und wie selbstverständlich meisterte als auch den „Hochzeitstag“ von Grieg mit lyrisch-weichem und vollem Klang darbot; Karolina Halbig (12), die mit keckem Staccato in einem Scherzando von Bertold Hummel auf sich aufmerksam machte; Jonathan Ziegler (13) mit beachtlicher Gestaltungskraft im C-Dur-Rondo von Beethoven und Pauline Worusski (16), die besonders mit Bachs Cis-Dur Präludium und Fuge WTK I Zeugnis ihres großen Talents ablegte. Toll! Mit großer Hingabe widmete sich Rayka Wehner (21) als Gast Beethovens „Appassionata“ und beendete diesen beispielhaften Konzerttag.

Neue Musikzeitung (nmz), März 2003
Karsten Stracke

 

Wenn der Nussknacker den Mausekönig besiegt

Weihnachtliches mit Menschen und Mäusen in Würzburg

Weihnachten ist Kaufrausch, Rauschgoldengel und Engelsgesang. Viel Gedudel jedenfalls. Da lässt ein hässlicher Nussknacker aufhorchen. Ein Adventskonzert der Hochschule für Musik Würzburg in Zusammenarbeit mit dem Tonkünstlerverband hat sich dem knöchrigen Gesell gewidmet: Ingeborg Hallstein und Gernot Tschirwitz haben mit ihren Studenten im Theater Bibrastraße Weihnachten auf ihre Art gefeiert. „Von Menschen und Mäusen“ haben die beiden Pädagogen ihr Programm genannt und dabei auf plakative Weihnachtsdemonstration verzichtet. Von „Ein Magd, ein Dienerin“ sang Michaela Maucher und gab damit der vielverehrten Jungfrau mit angenehm voller, in der Höhe manchmal etwas ausbrechender Stimme menschliche Züge. Erfrischend schlicht klang es bei Ilonka Vöckel, die erst vor kurzem als Papagena in der Musikhochschulinszenierung „Die Zauberflöte“ auftrat. Etwas Bubenhaftes ist ihrer Stimme eigen. Das nahm den Weihnachtsliedern von Robert Stolz alles Kitschige und machte Vöckels Sehnsucht nach Christrosen glaubhaft. Mit Trompetenfanfaren und Trommelwirbel zogen Tschirwitz und vier ehemalige Schülerinnen seiner Privaten Klavierklasse in Carl Reineckes „Nussknacker und Mausekönig“ ein, wobei Ingeborg Hallstein knarzig und kindlich als Erzählerin fungierte. Das vierhändige Klavierstück basiert auf einem Ausschnitt aus E.T.A. Hoffmanns „Erzählungen der Serapionsbrüder“ (1819-1821). „Schau genau hin“ ist Hoffmanns Botschaft, „dann siehst du das Geheimnisvolle in der Realität“. Das hat auch Tschirwitz seine Schülerinnen gelehrt. Rayka Wehner, Sabine Wittmer, Sabine Richter und Caroline Oswald legten als Primopartnerinnen am Klavier Wert auf jeden einzelnen Ton. Nur so konnte aus Wehners breiten Dur-Akkorden der helle Lichterglanz, aus Wittmers geschickt variiertem Tempo ein Spielwerk, aus Richters vielschichtigen Läufen Mäusegetrappel und aus Oswalds gebundener Spielweise Wassergeplätscher werden. Mit pädagogischem Anspruch hat Reinecke sein Weihnachtsmärchen entworfen. Das hat zur Folge, dass der Primo manchmal etwas zu sehr in die Defensive gedrängt wird, besonders wenn er nur die rechte Hand einsetzen darf. Sabine Richter jedoch zeigte im Andante Selbstbewusstsein, ließ ihre Hände springen und betonte Dissonanzen. Da ergänzten sich Meister und Schülerin (…), ein Gewinn auch für den hässlichen Nussknacker. Der hat nämlich am Schluss sein Mariechen heiraten dürfen. Ganz ohne Gedudel.

Neue Musikzeitung (nmz), Februar 2000
Ruth Hermann

 

Ein Märchen und viel Musik

Reineckes „Nussknacker und Mausekönig“ nach E.T.A. Hoffmann in der Musikakademie Hammelburg

Für gelungene Abwechslung im Reigen der Advents- und Weihnachtskonzerte sorgte die Bayerische Musikakademie in Zusammenarbeit mit dem Tonkünstlerverband Würzburg. (…) Advents und Weihnachtskonzerte sind derzeit fast täglich und überall geboten – und im Wesentlichen beschränken sie sich auf das Singen und Spielen mehr oder weniger bekannter Volksweisen. Das musikalische Weihnachtsmärchen „Nussknacker und Mausekönig“ von Carl Reinecke für Klavier zu vier Händen nach einer Serapions-Erzählung von E.T.A. Hoffmann bot da willkommene Abwechslung. Gernot Tschirwitz hatte das Sujet für das Konzert im Großen Saal der Bayerischen Musikakademie geschickt gewählt, nicht nur wegen des jahreszeitlichen Bezuges. Hoffmanns phantastische Erzählung und Reineckes passende, den Handlungsstrang unterstreichende Komposition ermöglichte seinen Schülern und Schülerinnen Julia Brand, Miriam Schmitt und Uli Klement sowie seiner langjährigen Schülerin Rayka Wehner, die inzwischen bei Wolfgang Arnold am Hermann-Zilcher-Konservatorium Würzburg Hauptfach Klavier studiert, reichlich Gelegenheit, sich auszuzeichnen und dem Märchen das entsprechende Leben einzuhauchen. Reineckes Komposition nämlich verlangt mehr als mit sicherem Anschlag und beachtlicher Fingerfertigkeit sowie im gekonnten Zusammenspiel das Werk handwerklich souverän abzuspielen. Es verlangt das Gespür für das Thema und den Mut zu spielerischer Interpretation in der Ausnutzung aller Möglichkeiten des vierhändigen Klaviersatzes. Julia Brand, Miriam Schmitt, Uli Klement und Rayka Wehner haben ihre Hausaufgaben gemacht; auf der Basis einer grundsoliden Ausbildung verstanden sie es – unterstützt durch ihren Lehrer im Secondopart – geschickt, auch die feinsten Nuancen der phantastischen Erzählung herauszuarbeiten. Sie entführten durch ihr Spiel so in die zauberhafte Welt zunächst der mechanischen Spielautomaten des Paten Drosselmeyer über die zum Leben erwachenden Spielsachen, spannungssteigernd in die Schlacht zwischen dem Heer des Mausekönigs und dem Nussknacker, bis hin in die bald überschäumende, bald verzweifelnde, zwischen Hoffnung und Niedergeschlagenheit, Verletzung und Krankheit wechselnde Gefühlswelt der kleinen Marie. Alltagswelt und skurrile Märchenwelt, Desillusion und Phantastik bestimmen das Märchen und die Komposition, die nicht nur schmückendes Beiwerk ist, sondern fast augenzwinkernd in ihrer Leichtigkeit Inhalt und Aussage unterstreicht und die Erzählung plastisch wirken lässt. Die Besucher durften sich einfangen lassen von der zauberhaften Welt und den Geschehnissen im Haus des Medizinalrates Stahlbaum. Wesentlichen Anteil daran hatte (…) Klaus Lapins, der für Rezitation und Textregie verantwortlich zeichnete. Sprachlich klar akzentuiert schlüpfte der Regisseur und Sänger in die Rolle der in der Begegnung mit der Wunderwelt mal freudig erregten, mal tief erschütterten und getroffenen Marie ebenso problemlos wie in die des Paten oder auch in die Fantasiewelt aus dem „Märchen von der harten Nuss“. Die Poesie bleibt erhalten, als es am Schluss zur Hochzeit und für Marie zur Mitherrschaft auf dem Marzipanschloss im Zuckerbäckerreich kommt. „Man kann die wunderschönsten Dinge erblicken, wenn man nur darnach Augen hat.“ Reineckes „Nussnacker“ bot die Möglichkeit der Vorstellung der Klavierschüler und Weihnachtsmusik gleichermaßen – aber ganz ohne die damit allzu oft verbundene, bisweilen peinlich wirkende Sentimentalität. Eine wohltuende Abwechslung im Reigen der Adventskonzerte, zu der man die Verantwortlichen nur beglückwünschen kann.

Saalezeitung Bad Kissingen, 17.12.1999
jüb

 

Die Zärtlichkeit der Hausmusik

Hoffmanns/Reineckes „Nussknacker und Mausekönig“ im Steingraeberhaus Bayreuth

„O vortreffliche Demoiselle, beglücken Sie mich mit Ihrer werten Hand, teilen Sie mit mir Reich und Krone, herrschen Sie mit mir auf Marzipanschloss, denn dort bin ich jetzt König!“ – Marie hob den Jüngling auf und sprach leise: „Lieber Herr Drosselmeyer! Sie sind ein sanftmütiger, guter Mensch, und da Sie dazu noch ein anmutiges Land mit sehr hübschen lustigen Leuten regieren, so nehme ich Sie zum Bräutigam an!“ Mit diesen von zärtlicher Ironie durchbrochenen Zeilen endet (fast) die Erzählung vom „Nussknacker und Mausekönig“, die der Dichter, Musiker und Jurist E.T.A. Hoffmann im Jahr 1816 schrieb. (…) Das musikalische Weihnachtsmärchen für Klavier zu vier Händen zu spielen, das uns (…) Carl Reinecke geschenkt hat, ist schon Verdienst genug. Gernot Tschirwitz, Lehrer einer Privaten Klavierklasse, brachte aus Würzburg und Bad Kissingen vier begabte Schülerinnen mit, um das Werk im Stil eines Melodrams im Rokokosaal des Bayreuther Steingraeberhauses aufzuführen. Reinecke hatte 1865 die Hauptteile seiner achtsätzigen Suite geschrieben, ein Stück bester Hausmusiktradition, die weniger von den Nachtmahren der Hoffmannschen Fantasie als von der Sehnsucht des Bürgertums handelt. Formal in der Tradition eines Robert Schumann stehend, erschreckte Reinecke auf der harmonischen Seite seine Hörer und Spieler nicht gerade mit schroffen Harmoniewechseln und Dissonanzen. Man schätzte ihn, der sich von den Einflüssen Wagners und Brahms‘ frei hielt, als großen Handwerker, aber Schumann hätte Reineckes hübsche Musik auch als „philisterhaft“ bezeichnen können, ohne ihm zu nahe zu treten. Wir aber freuen uns an der farbigen, die wirkungsvollsten Einfälle der Hoffmannschen Nacht- und Traumwelt nachvollziehenden Musik, die nicht nur effektvoll die Automatentöne des Paten Drosselmeyer und eine furiose Schlachtmusik, das Quietschen der Mäuse und die triolenmäßigen Kommandos des Nussknackers, sondern auch die Idylle eines Weihnachtsabends zu zeichnen vermag. Ein „Schäferballett im Puppenreich“ nimmt gar um einige Jahre Peter Tschaikowskys Tanzton vorweg; eine Barcarole und ein finales Andante schwelgen im Lyrischen, ohne jemals banal zu werden. Am Ende herrscht das dreifache Terzenglück, das stärker ist als jede verdorbene Pointe. Reineckes vierhändige Musik stellt nicht allzu horrende Anforderungen an die Interpreten, aber im Vierhandspiel wird große Präzision und Aufmerksamkeit verlangt. Rayka Wehner, Sabine Wittmer, Sabine Richter und Julia Brand spielten zusammen mit ihrem Lehrer jeweils zwei Sätze: er auf der linken, sie an der rechten Seite. Von winzigen Unebenheiten abgesehen, war’s eine ausgeglichene, rhythmisch und emotional differenzierte Interpretation, die uns von den Qualitäten der Reineckeschen Kunst überzeugte. Ein verdienstvoller Abend – der Beifall, vor allem für die jungen Damen und ihren Lehrer, war einhellig.

Nordbayerischer Kurier Bayreuth, 16.12.1999
Frank Piontek

 

v.l.n.r. stehend: Rayka Wehner, Sabine Richter, Sabine Wittmer; vorn: Gernot Tschirwitz, Ilona Seufert, Klaus Lapins

v.l.n.r. stehend: Rayka Wehner, Sabine Richter, Sabine Wittmer;
vorn: Gernot Tschirwitz, Ilona Seufert, Klaus Lapins
Foto: Anita Tschirwitz

Ein Blick in die Talentschmiede

Gernot Tschirwitz präsentierte im Gymnasium Hammelburg Eleven aus seiner Klavierklasse

„Ein weites Feld“ versprach Gernot Tschirwitz den Besuchern (…) in der Aula des Hammelburger Frobenius-Gymnasiums. Und die Schülerinnen und Schüler seiner Privaten Klavierklasse lösten dieses Versprechen frei nach Günter Grass durchweg ein. Es traf sich gut, daß am morgigen Dienstag das Klaviervorspiel des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ ansteht. So hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Auszüge ihres Programms unter Wettkampfbedingungen vor zwar wohlgesonnenem, aber ob der Vorveranstaltungen durchaus anspruchsvollem Publikum zu präsentieren. Nicht ganz zu Unrecht ist die Erwartungshaltung an Tschirwitz‘ Klavierzöglinge hoch. Denn aus der Klasse sind etliche Profis hervorgegangen. Und wer das Klavier nicht zum Beruf gemacht hat, pflegt zumindest sein Hobby mit Ambition und Können. Der Anfänger braucht den gewissenhaftesten Lehrer. Die Berechtigung dieses Dogmas bestätigten die kleinen Pianisten, die gerade erst die vorderen Seiten der Emonts-Klavierschule entdecken oder die ersten Sonatinen erobern. Da wurden nicht nur Reminiszenzen an unverzichtbare Marksteine jedes seriösen Klavierunterrichts wach. Da fiel auf, daß selbst die Allerjüngsten, die den Klavierschemel bis zum Anschlag hochdrehen müssen und dann mit den Füßen einen Viertelmeter über den Pedalen schweben, begriffen haben, daß man mit den schwarzen und weißen Tasten mehr anfangen kann, als sie nur zu „drücken“. Wie Fingerkuppe, Innenhand, Gelenk und Unterarm den Klavierton zum Klangereignis formen können, drang bereits bei den Schülern der Sonatinenstufe deutlich durch. Nicht nur aus Gründen der Ergonomie versagt Tschirwitz seinen Schülern lange den Gebrauch des Pedals. Diese Erziehung zur Exaktheit und zur Kontrolle über den Ton trägt Früchte. So klangen die polyphonen Bach-Piècen ungemein genau, transparent und ausgeglichen. Den Bedingungen des Wettbewerbs entsprach die Programmwahl. Der auffällig hohe Anteil zeitgenössischer Kompositionen spiegelte nicht nur die Ausschreibung von „Jugend musiziert“ wider. Gerade die Auseinandersetzung mit Werken der Moderne erschließt Kindern und Jugendlichen die Welt musikalischer Abstraktion und fördert das analytische Hören. Wie weit es strebsame Pianisten schon in jungen Jahren bringen können, demonstrierte die aus Vorjahren bestens bewährte Trias Stefanie Trost, Julia Brand und Rayka Wehner. Identische Anschlagskultur und äußerst solide Spieltechnik egalisierte keinesfalls die unterschiedlichen musikalischen Temperamente der Interpretinnen. Stefanie Trost zeigte ihre Fähigkeiten als Gestalterin vor allem in Robert Schumanns „Kreisleriana“-Fantasien. Sie kann Stimmungen gestalten und beherrscht bereits große Formen in erstaunlichem Maß. Julia Brand gab dem Allegretto aus Beethovens E-Dur-Sonate ungezügelten Fluß, spielte mit Akkuratesse und Delikatesse. Ihre Interpretation des A-Dur-Intermezzo von Johannes Brahms vereinte Reife und musikalische Intelligenz. Rayka Wehner ist eine ungemein fleißige und akribische Technikerin. Ihre Wiedergabe der Gigue aus Bachs Französischer Suite Nr. 1 hatte packende Prägnanz und Eleganz. Knifflige Kopf- und Fingerarbeit bewältigte sie in Chopins E-Dur-Scherzo mit Bravour. (…)

Saalezeitung Bad Kissingen, 18.1.1999
Michael Klein

 

Liebe auf den ersten Blick

Solisten-und Orchesterkonzert im Kissinger Regentenbau

Zu einem fairen Wettstreit trafen sich im Solisten-Orchesterkonzert der Bad Kissinger Klaviertage Schüler der Privaten Klavierklasse Gernot Tschirwitz, dem organisatorischen und künstlerischen Leiter dieses kleinen Festivals, assistiert vom Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung des als Flötist gerühmten Peter-Lukas Graf. Dazu gesellten sich im Verlauf des Abends zwei professionelle Solo-Instrumentalisten. In dieser Besetzung und in der Wahl des Programms mit selten aufgeführten Werken lag der Reiz des im Großen Saal des Regentenbaus aufgeführten Konzertes. (…) Zu Beginn des Abends konzentrierte sich eine Handvoll Klaviereleven, in der Mehrzahl Damen im höheren gymnasialen Schulalter, auf die drei Sätze des Konzerts d-Moll BWV 1063 für drei Klaviere und Orchester von J.S. Bach, die sie unter sich aufteilten. Jene „Gruppe mit Herr“ war sich völlig einig in der Grundkonzeption des Vortrags, besaß eine sicher funktionierende Technik, die rasche Bewegungen sprudelnd perlen ließ. Sie zeigte eine warme Tonformung der ariosen Abschnitte, insbesondere im langsamen Satz, und wußte zusammen mit dem weichstreichenden Orchester die Tutti- und Solo-Stellen sowie die imitatorisch-konzertanten Einsätze dynamisch und agogisch wirkungsvoll herauszuheben. Zur fortgeschritteneren Jugend zählten Matthias Pfister, Sabine Richter und Sabine Wittmer. Die weiteren jungen Künstler waren Rayka Wehner, Miriam Schmitt, Ilona Seufert, Stefanie Trost und Julia Brand. Sie achteten auf die strikte Einhaltung eines gemäßigt bewegten Grundtempos, auf eine subtile Anschlagsart, die das Melos genauso schlank behandelte wie sie wichtige Positionen im solistischen Wechselspiel deutlich markierte. (…)

Main-Echo Aschaffenburg, 23.4.1998
Klaus Linsenmeyer

 

Ungewöhnlicher Dreiklang im Einklang

Erstes Orchesterkonzert bei den Bad Kissinger Klaviertagen

Außergewöhnlich war nicht nur das Programm mit selten zu hörenden Stücken aus drei Jahrhunderten beim ersten Solisten- und Orchesterkonzert der Klaviertage (…) im Regentenbau. Ungewöhnlich war auch die Besetzung der Solistenparts mit drei mal drei begabten jungen Musikern: für jeden Satz von Bachs d-Moll-Konzert für drei Klaviere andere Solisten. Auf diese Weise bietet Gernot Tschirwitz, der musikalische Leiter der Bad Kissinger Klaviertage, auch heuer wieder seinen besten Klavierschülern die Chance, Konzerterfahrung mit Profis zu sammeln. Und das Ergebnis war wie das Spiel von Profis. Trotz des regen, aber lautlosen Wechsels zwischen den Sätzen gelang den jungen Künstlern eine schlüssige, harmonische Gesamtinterpretation, bei der der „Einklang im Dreiklang“ beeindruckte. (…)

Main-Post Würzburg, 21.4.1998
Gabi Zahn

 

Krasser Gegensatz der Auffassungen

Junge Pianisten brillierten in Bachs d-Moll-Konzert für drei Klaviere

(…) Daß Peter-Lukas Graf kraft seiner Persönlichkeit heterogene Persönlichkeiten zusammenschweißen kann, zeigte er in J.S. Bachs Konzert für drei Klaviere und Orchester. Das vor zwei Jahren erstmals in einem Konzert der Bad Kissinger Klaviertage gewagte Experiment, Klavierschüler und ein Profiorchester zu vereinen, gelang erneut. Matthias Pfister, Sabine Richter, Sabine Wittmer, Rayka Wehner, Miriam Schmitt, Ilona Seufert, Stefanie Trost und Julia Brand wechselten sich satzweise an drei Konzertflügeln ab. Gerade im langsamen Satz ist ein Mangel an musikalischem Ausdruck nicht mit vordergründigem Virtuosentum zu vertuschen. Da zeigte sich einerseits die Handschrift des Klavierlehrers Gernot Tschirwitz, andererseits die hohe Musikalität der Spielerinnen. Das kantable, sich durch alle drei Klavierparts ziehende Hauptthema blieb in Sanglichkeit und Phrasierung völlig identisch. Daß das Orchester eine Bach- Auffassung hat, die nicht dem neuesten Stand musikwissenschaftlicher Forschung entspricht, war nicht als Manko zu empfinden. Bachs Musik ist so universell, daß sie auch eine etwas romantisierende Interpretation verträgt. (…)

Saalezeitung Bad Kissingen, 21.4.1998
Michael Klein

Ein Ensemble aus Schülern und Profis

Peter-Lukas Graf dirigiert das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim

„Eine tolle Basisarbeit“ – so beurteilt Peter-Lukas Graf, Dirigent des Solisten- und Orchesterkonzertes im Regentenbau am morgigen Sonntag seinen Eindruck vom Leistungsstand der jungen Pianisten, die Bachs d-Moll-Konzert für drei Klaviere und Streichorchester aufführen werden. Seit Oktober haben Sabine Richter, Sabine Wittmer, Matthias Pfister, Miriam Schmitt, Ilona Seufert, Stefanie Trost und Julia Brand jeweils einen Satz des dreisätzigen Werkes studiert, wobei Rayka Wehner in zwei Sätzen an einem der drei Konzertflügel auf der Bühne des Regentenbaus mitwirkt. Bereits vor einem Jahr hatte Graf an gleicher Stelle ein ähnliches Projekt geleitet. Schüler und Ehemalige der Privaten Klavierklasse Gernot Tschirwitz mit einem Profi-Orchester auf die Bühne zu setzen, ist zwar keine Premiere mehr. Doch für den Dirigenten, dessen Fähigkeiten am Pult immer noch vom Ruhm des Flötenvirtuosen überschattet werden, hat es nach wie vor besonderen Reiz. Allerdings hat er nur eine einzige Probe Zeit, um zu überprüfen, ob das Partiturstudium der Klavierschüler und -studenten mit seinem Interpretationskonzept übereinstimmt. Danach bleibt bis zur Aufführung noch Zeit für drei Gesamtproben mit Orchester. Seine Fähigkeiten als Dirigent braucht Peter-Lukas Graf weder dem Bad Kissinger Publikum noch dem Orchester zu beweisen. Immerhin ist er (…) der einzige Gastdirigent, den der Chef des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim an sein Ensemble heranläßt. (…)

Saalezeitung Bad Kissingen, 18.4.1998
Michael Klein

Klavierästhetik des 20. Jahrhunderts

Barbara Zeller erwies sich als intellektuell tiefgehende und emotial zupackende Pianistin

Klaviermusik des 20. Jahrhunderts ist nicht jedermanns Sache. Otto Normalkonzertbesucher hört lieber ohrenschmeichelnde Beethoven-Sonaten und Chopin-Valses als die sperrigen Opera von Anton Webern oder Karol Szymanowski. In weiser Voraussicht hatte Barbara Zeller darob den Kleinen Saal für ihr Konzert im Rahmen der Klaviertage gewählt. So blieb ihr der Frust erspart, überwiegend leere Stuhlreihen mit einem Programm zu bespielen, das hörbereites und auseinandersetzungsfähiges Publikum erfordert – und eine Interpretin, die dem harmonischen und formalen Experiment ästhetische Reize abgewinnen will und kann. Barbara Zeller lebt in der Klangwelt der frühen Moderne. Diese vollendete Identität mit der Faktur der Kompositionen und der Fähigkeit, sie dem Hörer zu vermitteln, gab dem Konzert im Rahmen der Bad Kissinger Klaviertage prickelnden Reiz. Claude Debussys „Reflets dans l’eau“ und seine „Hommage à Rameau“ lebten aus spätromantischer Geisteshaltung und waren mit entsprechend delikatem und differenziertem Klangsinn angelegt. Anton Weberns mit allen Traditionen brechenden Variationen op. 27 gab die Pianistin im Gegensatz dazu genau das richtige Maß an Intellektualität. Daß die Interpretation dabei nie in formaler Analyse, im Sezieren stecken blieb, sondern ein hohes Maß an klanglicher Sinnlichkeit jenseits bloßer Kadenzenseligkeit entfaltete, war Ausdruck der äußerst angespannten geistig-seelischen Konzentration und der sorgfältigen Vorbereitung. Daß Barbara Zeller eine glänzende Technikerin ist, sei nur am Rande erwähnt. Denn vollendete Beherrschung der Klaviatur ist Grundvoraussetzung, moderne Werke bezwingend zu gestalten. Gerade die Sonate op. 45 des Zeitgenossen Heinrich Hartl häuft spieltechnische Stolpersteine an. Die diffizile Polyrhythmik und die kompositorische Dichte des Schlußsatzes, seine klangliche Brillanz und sein Impetus fanden in Barbara Zeller eine kongeniale und begeisterungsfähige Interpretin. Heinz Holligers „Elis“-Trilogie hatte Barbara Zeller bereits vor Jahresfrist während der „Nacht der Jungen Pianisten“ gespielt. Als Programm-Musik reinsten Wassers forderte das Werk das gestalterische Potential der Interpretin. Barbara Zeller dokumentierte gerade in diesen Miniaturen ihren künstlerischen Reifegrad. Nach solch beeindruckender Leistung wirkte Karol Szymanowskis „Sheherazade“ trotz gelungener Verquickung von rauschender Klangpracht und tiefer Emotionalität eher vordergründig. Drei Piècen aus Ravels „Miroirs“ wurden zu tief empfundenen, im satten, doch stets fein differenzierten Vollklang des Instruments blühenden Klaviermusiken par excellence. Exaktheit jenseits aller Notenmathematik hob das abschließende „Alborada del gracioso“ aus den drei Werken heraus, machte es zum Schlußpunkt nachdrücklicher künstlerischer Aussage.

Saalezeitung Bad Kissingen, 15.4.1997
Michael Klein

Wenn die Flöte die erste Geige spielt

Junge Pianistinnen und erfahrene Profis ergänzten sich im Orchesterkonzert der Bad Kissinger Klaviertage

Es gibt Konzerte, die schlicht und ergreifend schön sind. Wer am Sonntag dem Südwestdeutschen Kammerorchester, dem Flötisten Peter-Lukas Graf, der Harfenistin Ursula Holliger und nicht zuletzt den sechs jungen Pianistinnen der Privaten Klavierklasse Gernot Tschirwitz im Regentenbau zuhörte, genoß ein ohrenschmeichelndes Programm, sehr gut disponierte Solisten und die daraus resultierende Atmosphäre gelösten Musizierens. Sabine Richter, Sabine Wittmer, Rayka Wehner, Miriam Schmitt, Stefanie Trost und Julia Brand hatten Heimvorteil und Amateur-Bonus. Sie hatten in J.S. Bachs Konzert c-Moll für zwei Klaviere und Streichorchester jedoch keinerlei Grund, sich darauf zu berufen. Technisch waren sie zu keinem Zeitpunkt überfordert. Peter-Lukas Graf am Dirigentenpult hatte es leicht, Profi-Orchester und Amateur-Pianistinnen zu koordinieren. Die Entscheidung für den Konzertflügel anstatt originaler Cembali diktierte das Interpretationskonzept. An die Stelle einer affektbetont-historisierenden Spielweise trat eine eher romantisierende Anlage im Orchesterpart, während das Spiel der satzweise abwechselnden Pianistinnen in den schnellen Ecksätzen auf Klarheit und Brillanz abhob. Fein durchzeichnendes, dabei stets melodiöses Linienspiel gelang den Solistinnen des Adagio. Die fliegenden Wechsel auf den Klavierschemeln waren nur optisch zu bemerken. Identische Anschlagsqualität und kantables Spiel verrieten unverkennbar die prägende Hand des Klavierlehrers. (…)

Saalezeitung Bad Kissingen, 8.4.1997
Michael Klein

Junge Pianistinnen überzeugen neben Profimusikern

Solisten- und Orchesterkonzert der Bad Kissinger Klaviertage

Junge Solisten sowohl zu fördern wie auch zu fordern, indem sie die einmalige Chance erhalten, mit Weltprofis zusammen auf der Bühne zu musizieren, ist selten. Der Rahmen der Bad Kissinger Klaviertage, die unter der künstlerischen Leitung von Gernot Tschirwitz stehen, bot nun schon zum zweitenmal Klavierschülern diese Möglichkeit. Mit der Unterstützung von Peter-Lukas Graf als Dirigent und des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim stellten sechs junge Pianistinnen beim Konzert c-Moll für zwei Klaviere von J.S. Bach ihre musikalische Begabung und ihre instrumentalen Fähigkeiten überzeugend unter Beweis. Während die Streicher leise federnd den Soloinstrumenten den Vortritt ließen, beeindruckten die Pianistinnen mit sensibel empfundenen dynamischen Schattierungen, exaktem, aber dennoch lockerem Spiel und farbenreichem Ausdruck. (…)

Main-Post Würzburg, 6.4.1997
Gabi Zahn

Mit Witz und Charme

„Nußknacker und Mausekönig“ im Toscanasaal der Würzburger Residenz

Der Dichter E.T.A. Hoffmann, mit vielen Gesichtern und Stimmfarben in Art eines Einmann-Theaters verkörpert durch Klaus Lapins, tritt auf. Er erzählt, ausgemalt und untermalt von einer entzückenden Klaviermusik, eine Geschichte, ein Märchen zwischen Traum und Wirklichkeit. Sie spielt ein wenig an Weihnachten. Drin kommen Kinder, Holzfiguren, skurrile Menschen und ebenso skurrile Automaten vor. Es ist das Märchen von „Nußknacker und Mausekönig“, das in der Würzburger Residenz gezeigt wird. Nicht nur Peter Tschaikowsky hat sich durch diese Erzählung E.T.A. Hoffmanns zu seinem Ballett inspirieren lassen, auch der Spätromantiker Carl Reinecke hat dazu eine ebenso zauberhafte wie bezaubernde vierhändige Klaviermusik in seinem opus 46 komponiert. Ohne falsche Sentimentalität, aber mit viel musikalischem Witz, ohne allzu dick aufzutragen, aber mit Charme, spürt Gernot Tschirwitz zusammen mit vier seiner Schülerinnen, die sich bei den acht Sätzen dieses Werkes abwechseln, dem märchenhaften Stimmungszauber dieser Musik nach. Es ist schwer, auszumachen, ob Tina Büchner ein wenig romantischer spielte als Sabine Richter, ob Rayka Wehner um einen Hauch genauer spielte als Sabine Wittmer. Zu homogen war die von ihrem Lehrer geprägte Leistung, die sich durchweg in gehobener technischer und interpretatorischer Qualität bewegte. Auffällig war der sensible Umgang mit dieser hochromantischen, programmatischen und teilweise melodramatischen Musik, der diesen Abend weit über dem üblichen Hausmusikniveau ansiedelte, aber den intimen hausmusikalischen Charakter nicht zerstörte. Eingeleitet wurde das Märchen von den Weihnachtsliedern op. 8 von Peter Cornelius. Anja Kaesmacher verlieh diesen stimmungsvollen Miniaturen mit ihrer leuchtenden Sopranstimme eine meist wohlausgewogene Mischung von Naivität und zupackender Kraft. Gernot Tschirwitz am Flügel war einmal mehr ein stets souveräner und vitaler Begleiter. Es gab langanhaltenden, herzlichen Beifall im gut besetzten Toscanasaal.

Main-Post Würzburg, 23.12.1996
Armin Rausche

Traum und Wirklichkeit

Carl Reineckes „Nußknacker und Mausekönig“ im Coburger Casimirianum

Peter Tschaikowskys Ballett „Der Nußknacker“ nach dem gleichnamigen Märchen von E.T.A. Hoffmann gilt als Standardwerk für Weihnachtsprogramme vieler Theater. Dagegen ist die Nußknacker-Fassung von Carl Reinecke fast in Vergessenheit geraten. Als sich am dritten Advent die „Coburger Sommeroperette“ in ein Wintermärchen verwandelte, kam sie nach langem Dornröschenschlaf in der Aula des Casimirianums vor zahlreichen Zuhörern zur Aufführung. (…) Flankiert von einem übermannsgroßen Nußknacker las Klaus Lapins, der künstlerische Leiter der „Coburger Sommeroperette“, das Konzentrat aus Hoffmanns Märchen zwischen Traum und Wirklichkeit um den Nußknacker, den Mausekönig, den Paten Drosselmeier und das Mädchen Marie im Kostüm des „Gespenster-Hoffmann“ dialogbetont und melodramatisch überhöht. Den umfangreichen Klavierpart mit den zahlreichen tonmalerischen Effekten und der geschickten Verarbeitung als Melodram, das manche dramatischen Verdichtungen schuf, und der vom stimmungsvollen Nocturne bis zum wilden Schlachtengetümmel oder von stilisierten Tänzen bis zum Hochzeitsmarsch à la Mendelssohn reichte, gestaltete Gernot Tschirwitz als Secondo mit seinen ehemaligen oder aktuellen Schülerinnen Tina Büchner, Rayka Wehner, Sabine Wittmer und Sabine Richter, die sich im Diskant abwechselten, in dynamisch und rhythmisch kongruentem Zusammenspiel bis zu orchestralen Wirkungen sowie in großer Transparenz und plastischer Illustration. (…) Es gab herzlichen Beifall für diese alternative Adventsveranstaltung mit der Wiederbelebung eines in Vergessenheit geratenen Werkes. Es muß ein musikalisches Märchen nicht immer nur „Peter und der Wolf“ heißen.

Coburger Tageblatt, 17.12.1996
Hans Höfer

Mit Originalität und Frische in die Welt der Tasten

Bad Kissinger Klaviertage: Der Nachwuchs wetteifert mit den Meistern

Zu einer äußerst respektablen Konzertreihe haben sich im mittlerweile fünften Jahr ihres Bestehens die von dem Würzburger Klavierpädagogen Gernot Tschirwitz initiierten Bad Kissinger Klaviertage entwickelt, und dies, ohne von der anfänglichen Frische oder an Originalität der Konzeption auch nur ein Geringes einzubüßen. Sieben Konzerte – darunter das der Preisträger des zum zweitenmal durchgeführten Robert-Saar-Gesangswettbewerbs – luden zu einem in jeder Hinsicht, nämlich durchaus auch an Kontrasten, reichen Streifzug durch die weitgefaßte Welt der Tasteninstrumente ein. (…) Eine besondere Erwähnung verdienen zwei Konzerte, deren Programmgestaltung höchst außergewöhnlich war. Da gab es einmal ein „Solisten- und Orchesterkonzert“ mit dem Kammerorchester Klaus Lieb, in dem acht junge Klavierschüler der Privaten Klavierklasse Gernot Tschirwitz im Alter von 14 bis 19 Jahren als Solisten (und zwar einander abwechselnd im Konzert für vier Klaviere und Streichorchester BWV 1065 von J.S. Bach) neben dem weltbekannten Flötisten Peter-Lukas Graf (in Mozarts Flötenkonzert KV 314) auftraten, und neben diesen Werken auch Kompositionen von Karl Amadeus Hartmann und Arnold Schönberg erklangen. (…)

Bayerische Staatszeitung München, 3.5.1996
Thomas Streit

Nußknacker und Mausekönig

Märchenabend im Bad Kissinger Regentenbau

Eine entzückende Märchenstunde bescherte der letzte Freitag vor dem Heiligen Abend  in Bad Kissingen: initiiert von (…) Gernot Tschirwitz führte dessen Klavierklasse gemeinsam mit dem Coburger Bariton Klaus Lapins das Musikalische Weihnachtsmärchen vom Nußknacker und Mausekönig auf, wobei der weihnachtlich baumgeschmückte Grüne Saal im Regentenbau Bad Kissingen ein wundervolles Ambiente für eine schöne Aufführung bildete. E.T.A. Hoffmanns rührende Schönheit wie tolle Phantastik in gleichem Maße aufweisende Serapionserzählung (…) inspirierte nicht allein Peter Tschaikowsky zu der so berühmten Ballettmusik, sondern regte auch den bedauerlicherweise immer noch weitläufig unterschätzten Carl Reinecke (1824-1910) zu einer zauberhaften, ganz aus dem Geist der literarischen Romantik Schwung und Frische in Fülle schöpfenden Musik für Klavier zu vier Händen an. Carl Reineckes op. 46 impliziert durch die im Notentext zu findenden Textanschlüsse eine Aufführung mit gesprochenem Text, illustriert Hoffmanns köstliche Fabulierkunst mit so frisch empfundenen wie hübsch gestalteten Klangbildern, dient durchaus auch pädagogischen Zwecken und legt also eine Aufführung wie die erlebte nahe. Gernot Tschirwitz übernahm als musikalischer Leiter den Secondopart und teilte seinen Schülern ( Tina Büchner, Stephan Lindner, Carolin Oswald, Carlos Menéndez, Sabine Richter, Sabine Wittmer) jeweils einen oder zwei der Sätze zu. Das Musizieren geriet allen Beteiligten ganz überzeugend, war von spürbarem Engagement durchzogen, die Präzision im Zusammenspiel ( und vierhändiges Klaviermusizieren ist wahrhaftig keine unheikle Angelegenheit!) und der ausgeprägte musikalische Gestaltungswille ließen aufmerken und das Hineinlauschen in diese klanggewordene Idylle romantisch-bürgerlicher Weihnachtswelt recht vergnüglich werden. In ganz besonderem Maße sei noch die beeindruckende und mitreißende Qualität des Sprechers Klaus Lapins erwähnt, dem auch die Textregie oblag, der die Hoffmannsche Textvorlage in ihrem Geiste beließ und so überzeugend bearbeitete wie vortrug. Als wahrhaftige Reinkarnation dieses künstlerischen Genius kostümiert (…) und somit durchaus auch an die dem Romantischen so eigene Doppelbödigkeit gemahnend, begeisterte Lapins mit seinem engagierten und spannungserfüllten Vortrag und ließ einen allerdings „die allerherrlichsten Dinge erblicken“, die der Dichter all denen verhieß, die „darnach Augen haben“. Verdienter und begeisterter Applaus belohnte alle Beteiligten für einen wunderbaren vorweihnachtlichen Abend.

Neue Musikzeitung (nmz), April 1996
Thomas Streit

Ein erhebender Abend

Das Solisten- und Orchesterkonzert bei den Bad Kissinger Klaviertagen

Wie sensibel und ausgefeilt im Schönklang junge Leute musizieren können, bewies das Solisten- und Orchesterkonzert im Großen Saal des Regentenbaus anläßlich der Bad Kissinger Klaviertage. Klavierschüler der Klasse Gernot Tschirwitz, begleitet vom Kammerorchester Klaus Lieb, spielten in spielfreudiger, wohleinstudierter Weise unter gutem Zusammenhören Bachs Konzert a-Moll für vier Klaviere und Streichorchester BWV 1065 (nach Vivaldi). Die jugendlichen Ausführenden Stephanie Trost, Julia Brand, Carlos Menéndez, Miriam Schmitt, Tina Büchner, Caroline Oswald, Sabine Richter und Sabine Wittmer erwiesen sich hier als beachtliche Persönlichkeiten, die mit lockerer Hand und mit flexiblem Anschlag allerlei Kostbarkeiten aus diesem Werk hervorzauberten. Das Kammerorchester unter Klaus Lieb war den jungen Künstlern, die die Wiedergabe der drei Sätze unter sich aufteilten, ein aufmerksamer Begleiter. (…) Insgesamt genügte dieser Abend hohen Ansprüchen, der eine auffallend sorgfältige Einstudierung dokumentierte und dem Dirigenten Klaus Lieb, selbst Geiger von Format, Gelegenheit geboten hatte, seine Erfahrungen als Streicher mit all den erforderlichen Empfindsamkeiten seinem Kammerorchester inspirierend einzugeben. Es war ein erhebender Abend, der noch lange im Zuhörer nachgewirkt hatte.

Volksblatt Würzburg, 19.4.1996
Klaus Linsenmeyer

Flitzende Finger an vier Konzertflügeln

Exotisches Programm bei den Klaviertagen

Die Konzerte der Bad Kissinger Klaviertage sind immer für exotische Programme gut. Das spricht sich herum. Zum Solisten- und Orchesterkonzert (…) waren die Ränge im Regentenbau wohl von zweierlei Klientel besetzt: Ein Teil war gekommen, um acht Klavierschüler der Privaten Klavierklasse Tschirwitz simultan an vier Konzertflügeln zu erleben. Kenner der Flötenszende lockte zweifellos der Name von Altmeister Peter-Lukas Graf. Vor Bachs Konzert für vier Klaviere schrecken Pianisten und Dirigenten zurück; zu komplex sind Orchesterleitern und Veranstaltern die Probleme, vier Vertreter der zum Individualismus neigenden Klavierspielerzunft unter einen Hut zu bringen und dann noch ein eigenständiges Gestaltungskonzept zu entwickeln. Sabine Wittmer, Caroline Oswald, Sabine Richter, Carlos Menéndez, Stefanie Trost und Miriam Schmitt sind noch keine ausgereiften Musikerpersönlichkeiten. Das vereinfachte die Arbeit des Dirigenten. Alle acht Pianisten sind von Gernot Tschirwitz‘ pianistischer und pädagogischer Handschrift markant geprägt. Ein sehr präziser Anschlag wurde gemildert durch die singenden Instrumente. Exaktes Zusammenspiel war oberste Maxime der knappen Probenzeit. Mit geringfügigen, aber auffälligen Abstrichen in den wuchtigen Akkorden des Mittelsatzes war das Lernziel erreicht. Stabile, federnde Tempi in den schnellen Ecksätzen und sicher bewältigte technische Herausforderungen in den vier Soloparts gaben der Interpretation über ihren Seltenheitswert hinaus künstlerisches Gewicht. Klaus Lieb am Dirigentenpult hatte ein wachsames Auge auf die agierenden Pianisten und sicheren Zugriff auf sein Kammerorchester. Das Ensemble des Würzburger Violindozenten hat in Bad Kissingen noch keinen Namen. Das ändert sich hoffentlich. Denn die tiefgründige Interpretation des „Concerto funebre“ von Karl Amadeus Hartmann zeigte das Studentenorchester als intelligenten, glutvoll und musikantisch spielenden Klangkörper. (…)

Saalezeitung Bad Kissingen, 16.4.1996
Michael Klein

Freiheit und Humanität im „Concerto funebre“

Musikprofis und Schüler in harmonischem Miteinander

Einen langgehegten Traum zu verwirklichen gelang Gernot Tschirwitz, dem Initiator der Bad Kissinger Klaviertage, mit einem Solisten- und Orchesterkonzert im Regentenbau: das gemeinsame Musizieren von acht der fortgeschrittensten Schüler seiner Privaten Klavierklasse mit Hochschulstudenten, Profimusikern und einem herausragenden Solisten. An vier Flügeln spielten Stefanie Trost, Julia Brand, Carlos Menéndez, Miriam Schmitt, Tina Büchner, Caroline Oswald, Sabine Richter und Sabine Wittmer unter der Leitung von Klaus Lieb zusammen mit seinem Kammerorchester Bachs Konzert für vier Klaviere und Streicher. Das Stück, ursprünglich von Vivaldi für vier Violinen komponiert und von Bach umgeschrieben und in eine tiefere Lage transponiert, fesselte durch ein reizvolles Klangbild, das durch die Vielzahl rhythmisch pointierter Anschläge auf den vier Tasteninstrumenten entsteht. Besonders beeindruckend war das harmonische Zusammenspiel der Flügel untereinander, aber auch mit dem Orchester: Sein Klangvolumen entsprach exakt dem der vier Klaviere, sodaß das Musizieren von Schülern und Profis zu einem ausgewogenen, harmonischen Ganzen verschmolz. Ein Erlebnis besonderer Art wurde das anschließende „Concerto funebre“ des Münchner Komponisten Karl Amadeus Hartmann von 1939. Seine Musik versteht sich als persönliches Bekenntnis zu Freiheit und Humanität und ist sehr subjektiv und emotional. Durch eine intensive Wechselbeziehung zwischen Konstruktion und Inspiration erzeugt Hartmann enorme Spannung, die die unmittelbare Wirkung seiner Musik ausmacht. (…)

Main-Post Bad Kissingen, 16.4.1996
Gabi Zahn

Bach als musikalischer Zuchtmeister

Intensivproben für das Konzert für vier Klaviere – Aufführung morgen im Kissinger Regentenbau

Bad Kissingen/Königsberg. Johann Sebastian Bach war nicht nur ein genialer Komponist und Interpret, sondern auch ein sehr gefragter und erfolgreicher Pädagoge. Diesem Umstand verdankt das Repertoire von Pianisten und Organisten bedeutende Großwerke. In die Schule des musikalischen Zuchtmeisters gingen Sabine Wittmer, Caroline Oswald, Sabine Richter, Tina Büchner, Carlos Menéndez, Stefanie Trost, Julia Brand und Miriam Schmitt, allesamt Schüler der Bad Kissinger Privatklasse des Klavierpädagogen Gernot Tschirwitz. Eine Woche verbrachten sie gemeinsam in der Jugendherberge Königsberg bei Haßfurt, um Bachs Konzert für vier Klaviere und Streichorchester zu erarbeiten. Allein schon die organisatorischen Vorarbeiten waren problematisch – immerhin mußte Tschirwitz vier möglichst gleich klingende Klaviere für den Probenraum beschaffen. Das Einstudieren gestaltete sich nicht minder schwierig. Denn aus den musikalischen Individualitäten der Jugendlichen im Alter von 13 bis 19 Jahren einen homogenen Klangkörper zu formen, erwies sich auch für den erfahrenen Klavierlehrer als Herausforderung. Als Klaus Lieb mit seinem Kammerorchester zu den Pianisten stieß, prallten nicht nur unterschiedliche Auffassungen barocker Interpretation aufeinander. Auch der professionelle Anspruch der Streicher und ihre dementsprechend andere Arbeitsweise rieben sich zunächst am Klang der Klaviere. Doch bereits einen Tag später endete die gemeinsame Nachmittagsprobe mit dicken Komplimenten der Leiter für Orchester und Pianisten. Drei Proben pro Tag, das hieß für die Klavierschüler acht Stunden Arbeit am Instrument. Allerdings braucht keiner der Jungpianisten alle drei Sätze des Konzertes durchzustehen. Fliegende Wechsel waren nicht nur während der Probenarbeit angesagt. Auch die Besucher der Aufführung im Regentenbau Bad Kissingen (..) werden alle acht Eleven an den vier Konzertflügeln auf der Bühne erleben.  Daß die Kurverwaltung vier gleich große und gleich gute Flügel aus der gleichen Werkstatt besitzt, war für Tschirwitz ein glücklicher Umstand. Ohne diese Voraussetzung wäre das kühne und ehrgeizige Projekt gescheitert. (…)

Saalezeitung Bad Kissingen, 13.4.1996
Michael Klein

Nachwuchs nutzte die Chance

„Nacht der Jungen Pianisten“ in Bad Kissingen

Wie bereits im vorvergangenen Jahr bot sich auch bei den diesjährigen Bad Kissinger Klaviertagen (…) aus der Region stammenden Nachwuchspianisten die Gelegenheit, sich mit einem gewissermaßen halben Recital im Großen Saal des Regentenbaus vorzustellen, Und genau wie bei der letzten „Nacht“ beeindruckte auch diesmal das eigentlich durchwegs hohe Niveau des Musizierens. (…) Aufmerken ließ Matthias Fischer, der sich zweier technisch wie gestalterisch gewiß zu den Gipfelwerken der Klavierliteratur zu zählenden Kompositionen annahm. Da beeindruckte in den 1849 entstandenen „Funérailles“ von Franz Liszt die eindringlich demonstrierte Souveränität, mit der der junge Pianist diese Klage um die Toten des Revolutionsjahres zu einem tief bewegenden und von großem Ernst getragenen Tongemälde werden ließ. Und begeisternd geriet Robert Schumanns „Carnaval“ op 9. Da baute Matthias Fischer vom „Préambule“, dessen „Più mosso“ in einem fast rasanten Tempo wahrlich „brillante“ erklang, bis zum „Davidsbündlermarsch“ einen großen Spannungsbogen auf, veranschaulichte ganz plastisch die einzelnen Charaktere und ließ diesen wundervollen Reigen herrlichster Musik durchaus zum spannenden Erlebnis werden. Mit einem ebenso anspruchsvollen wie interessanten Programm stellte sich dann mit der in Paris lebenden Barbara Zeller eine Pianistin vor, die über beachtliche musikalische und gestalterische Gaben verfügt. Da erklangen Arnold Schönbergs bedeutende Drei Klavierstücke op. 11 in bezwingender Konzentration, mit klar gezeichneten und von großer Sicherheit zeugenden Linien und Konturen, da bestachen Claude Debussys „Estampes“ mit raffiniert gemaltem, impressionistischen, bisweilen sich aus Exotischem speisenden klanglichen Zauber, da berührten die drei Nachtstücke für Klavier „Elis“, nach den sie inspirierenden Gedichten Georg Trakls benannt, des Heinz Holliger unmittelbar, bis schließlich Fédéric Chopins Scherzo b-Moll op. 31 temperamentvoll und risikofreudig musiziert den Reigen eindrucksvoll beschloß, zahlreiche Bravorufe hervorrief und einen überzeugenden (…) Schlußpunkt dieser gelungenen Klaviernacht bildete.

Volksblatt Würzburg, 9.4.1996
TS

Ein fulminantes Festival der flinken Finger

Lange Nacht der Klaviermusik in der Aula des Hammelburger Frobenius-Gymnasiums

Ein Querschnitt der Klaviermusik zwischen J.S. Bach und Darius Milhaud – das ist eigentlich eine pianistische Lebensaufgabe. In „nur“ drei Stunden gelang es Schülern, Ehemaligen und Gästen der Privaten Klavierklasse von Gernot Tschirwitz (…), einen farbigen Bilderbogen zu entfalten. Wenn die Altersspanne der jungen Künstler zwischen zehn und 26 Jahren liegt, die Schwierigkeit der Stücke von der Unterstufe bis zur hohen Schule des Klavierspiels reicht, ist ein Gefälle unvermeidlich. Das Programm funktionierte es klugerweise zur Steigerung um. Im Mittelpunkt der ersten Stunde standen die „Klaviersäuglinge“ mit Inventionen, Sonatinen und anderen Piècen, die unvermeidliche Stufen auf dem Weg zum pianistischen Musentempel sind. Bei recht unterschiedlichem Temperament und Nervenkostüm vereinte die Interpreten jedoch die prägende Hand ihres Lehrers. Auffällige und verbindende Gemeinsamkeit ist eine hohe Anschlagskultur. Selbst die Spieler leichterer Stücke sind weit vom bloßen Tastendrücken entfernt. Präzise, sauber geformte Töne identischer dynamischer und rhythmischer Qualität prägten die Darbietungen durchweg. Beispiele dafür bot der zweite Block des Programms, der stellvertretend für den gesamten Abend besprochen sei. Mit drei Chopin-Préludes stellte sich der zwölfjährige Carlos Menéndez vor. Rubato im Vivace war keine Verlegenheitslösung, sondern Indiz einer sich entwickelnden Persönlichkeit als differenzierter Gestalter. Die 14jährige Julia Brand zeigte kraftvolles, dabei elegantes Spiel in Chopins Valse e-Moll. Die Phrasierung betonte den schwingenden Dreiertakt, war von tänzerischem Schwung getragen. Hohe Anforderungen an die Fähigkeit, Spannungen aufzubauen und zu halten, stellte Franz Liszts „Sonetto 123 del Petrarca“. Tina Büchner unterzog sich dieser fordernden Aufgabe. Ihre Interpretation überraschte durch Reife und eine dem programmatischen Charakter angemessene Dramatik.Die kantige Rhythmik eines Menuetts von Sergej Prokovieff mit seinem Wechsel von braven Harmonien und zunehmend polytonalen Sequenzen geriet Sabine Wittmer; sie spielte mit Verve und Temperament. (…) Iberische Folklore mit stark rhythmusbetontem Einschlag entfaltete das programmatische „Cadiz“ aus der „Suite Espagnole“ von Isaac Albeniz.. Sabine Richter interpretierte es sicher und mit gut gestufter Dynamik. Eine weiche Elegie in pastellfarbenen Tönen holte Stefanie Trost aus dem „Herbstlied“ („Oktober“) von Peter Tschaikowsky. Sauberes Legatospiel trug der Vortragsbezeichnung „Andante doloroso e molto cantabile“ Rechnung. Einen Hauch Lateinamerika holten Tina Büchner und Sabine Wittmer in die herbstliche Atmosphäre. Darius Milhauds „Brazileira“ für zwei Klaviere entpuppte sich als mitreißende Samba, setzte zugleich einen reizvollen Farbtupfer in ein klassisch dominiertes Programm von hohem Anspruch.

Saalezeitung Bad Kissingen, 2.11.1994
Michael Klein

Der Reiz des Ungewohnten

Bad Kissinger Klaviertage mit ungewohntem Programm

Mit dem Namen Bad Kissingen verbindet der bayerische Musikfreund wohl zuerst den „Kissinger Sommer“, jene mittlerweile weit über Landes- und sogar Bundesgrenzen hinaus renommierte sommerliche Konzertreihe mit Gastspielen der großen Stars des internationalen Musiklebens. Ein wenig früher im Jahreslauf gewinnt eine weitere Veranstaltungsreihe an Breitenwirkung: die „Bad Kissinger Klaviertage“, initiiert von dem Klavierpädagogen Gernot Tschirwitz und getragen vom Tonkünstlerverband Würzburg und dem Kissinger Kunst- und Kulturkreis. Interessant ist vor allem die Konzeption: unter Einbeziehung von Künstlern aus der Region werden zum teil äußerst originelle Konzertprogramme teils von Weltstars und professionellen Musikern, teils auch von Schülern und Studenten vorgestellt. Gerade diese Konzeption machte auch auf die diesjährigen, die dritten Klaviertage neugierig, die am Dienstag mit dem „Konzert für einen jungen Elefanten“ endeten, in dem das Jugendmusikcorps Bad Kissingen und Klavierschüler von Tschirwitz unter der Gesamtleitung von Bernd Born Bearbeitungen von Wohlbekanntem (wie etwa den „Karneval der Tiere“ von Saint-Saens) und Ausgefallenes (wie Robert Saars Klavierzyklus „Aus dem Tagebuch einer reizenden Pudelin“) spielten. Daß das insgesamt sehr hohe Niveau durchaus auch in Konzerten mit Studenten zu halten ist, wurde an zwei Abenden deutlich: In der eröffnenden „Nacht der Jungen Pianisten“ stellte sich mit der in Detmold studierenden Barbara Zeller eine bereits über reichlich Podiumserfahrung verfügende junge Pianistin mit einem sehr ausgereiften Vortrag vor, während Matthias Fischers verheißungsvolles Talent durch seine erst im vergangenen Oktober an der Münchener Musikhochschule begonnenen Studien gewiß noch etliches erhoffen läßt. (…)

Bayerische Staatszeitung München, 29.4.1994
ts

Und ein „zufriedener Elefant“ in der Ehrenloge

Jugendmusikcorps und Schüler der Klavierklasse Tschirwitz musizierten zusammen – Gelungenes Experiment

Der Elefant in der Ehrenloge des Großen Saals im Regentenbau konnte zufrieden, ja eigentlich begeistert sein: Das Konzert, das ihm zu Ehren stattfand, war gelungen. Mit dem Experiment, das Jugendmusikcorps der Stadt Bad Kissingen und Schüler der Privaten Klavierklasse Gernot Tschirwitz in einem gemeinsamen Konzert auftreten zu lassen, endeten die 3. Bad Kissinger Klaviertage. Stellenwert und Bedeutung dieses Konzertereignisses sind in erster Linie auf dem Gebiet der musikalischen Erziehung zu suchen und unter didaktischem Aspekt zu sehen. Unter diesen Vorzeichen kann der Abend im Regentenbau, der gleichzeitig als Sonderveranstaltung zum 30jährigen Bestehen des Jugendmusikcorps stattfand, als für die Zukunft nachahmenswert empfohlen werden. Der erste Teil des Programms verlief, wenn man so will, noch konventionell. Das Jugendmusikcorps unter Leitung von Bernd Born und die beiden Klavierschülerinnen Tina Büchner und Sabine Wittmer ließen sich getrennt hören. Das gut 50köpfig erschienene Jugendmusikcorps präsentierte sich mit dem „Gopak“ des armenischen Komponisten Aram Chatschaturjan in der Sparte der symphonischen Blasmusik, die seit einiger Zeit mit wachsendem Erfolg praktiziert wird. Die jungen Musikerinnen und Musiker gingen die melodiöse Komposition kraft- und schwungvoll an und erwiesen sich als weitgehend homogener Klangkörper. In eine völlig gegensätzliche Klangwelt führten Tina Büchner und Sabine Wittmer mit dem Klavierzyklus Robert Saars „Aus dem Tagebuch einer reizenden Pudelin“. Nach der Vorstellung des Liedschaffens des Bad Kissinger Komponisten im Rahmen des Klaviertage-Gesangswettbewerbs gelangte somit eines der schönsten und interessantesten Klavierwerke Saars zur Aufführung. Als gute Idee erwies es sich, kurz einige Hinweise zur Entstehung der Komposition vorauszuschicken und die intelligent-amüsanten Tempo- und Ausführungsangaben des Komponisten dazwischen zu sprechen. Die technisch und gestalterisch fundierte Interpretation der beiden Klavierschülerinnen gewann dadurch an Aussagekraft. Der zweite Teil des Konzertes versuchte dann, Klavier- und Blasmusik zusammenzubringen. (…) Bernd Born hatte dazu ein überlegt konzipiertes, meist intimes Arrangement für Bläser und zwei Klaviere von Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“ erarbeitet. Von der Einleitung mit dem von einem königlichen Triumphmarsch begleiteten Einmarsch des Löwen über den von der Tuba (Björn Fröhling) dargestellten Elefanten, den von der Klarinette (Ulrich Schiekofer) imitierten Kuckuck und die von der Querflöte (Michaela Wolf) vorgestellten Kolibris bis hin zum Finale, in dem alle Tiere noch einmal in Erscheinung treten, entwickelte sich ein differenziertes Bild des „tierischen“ Treibens. Carlos Menéndez, Stefanie Trost, Patrick Lauer, Tina Büchner, Sabine Wittmer, Mirella Feldmann, Thomas Brunner und Bertram Hartig teilten sich mit ihrem Lehrer Gernot Tschirwitz die Solistenarbeit. Sie konnten dabei ihren jeweiligen Leistungsstand einem größeren Publikum vorstellen und gleichzeitig die für sie wohl eher seltene Gelegenheit zum Zusammenspiel mit einem Blasorchester nutzen. Auch das letzte Stück des Abends war eine Bearbeitung Bernd Borns für Klavier und symphonisches Blasorchester: die „Rhapsody in blue“ von George Gershwin. Sie stellte eine große Herausforderung dar sowohl für das Jugendmusikcorps als auch für die Solistin Susanne Schlereth, die aus der Klavierklasse Tschirwitz hervorgegangen ist und derzeit am Würzburger Hermann-Zilcher-Konservatorium Klavier studiert. Für alle beteiligten Musiker war die dem Jazz zugehörige Komposition sicher nicht ihr „tägliches Brot“, umso mehr verdient ihr Wille, sich mit dieser Musikgattung konzertant auseinanderzusetzen, Anerkennung. So lieferten sie denn auch eine über weite Strecken stimmige Interpretation – schade nur, daß in den kräftigen Passagen des Zusammenspiels von Blasorchester und Klavier vom Flügel so gut wie nichts mehr zu hören war. Hier wäre es an Born gewesen, seine Instrumentalisten etwas stärker zu führen und zurückzunehmen. Mit jeweils einer Zugabe bedankten sich Susanne Schlereth und das Jugendmusikcorps für den verdient langen Beifall des Publikums im fast voll besetzen Regentenbau.

Saalezeitung Bad Kissingen, 28.4.1994
Michael Klein

Hörbarer Enthusiasmus der jugendlichen Künstler

Schülerkonzert während der Klaviertage begeistert

Als wahrer „Klaviermarathon“ erwies sich das 27. Schülerkonzert der Privaten Klavierklasse Gernot Tschirwitz (…), Initiator, Organisator und künstlerischer Leiter der Bad Kissinger Klaviertage, im Grünen Saal des Regentenbaus. Die außerordentlich große Publikumsresonanz dürfte als positives und ermutigendes Zeichen für die von Tschirwitz entwickelte organisatorische und künstlerische Konzeption dieser Konzertreihe zu werten sein. Daß Tschirwitz in den Klaviertagen neben Konzerten mit professionellen Interpreten gerade auch der Jugend ein Podium bereitet, um sich präsentieren und beweisen zu können, ist ein mutiger Schritt in die Öffentlichkeit mit dem eigenen pädagogischen Wirken. Daß dies in großer pädagogischer Verantwortung geschieht, zeigte die Qualität, mit der musiziert wurde. Das mit „Romantische Klaviersoirée“ überschriebene Programm zählte nicht weniger als 24 Beträge. Der Enthusiasmus für das Klavier, den der Pädagoge versprüht, übertrug sich dabei spür- und hörbar auf das Spiel der jugendlichen Klavierschüler. So musizierten in der Gruppe der Anfänger und jüngeren Fortgeschrittenen Tirza Kohl, Christoph Georgi, Ricardo und Carlos Menéndez, Anna Hajduk, Frances und Patrick Lauer, Teresa Dittmer, Kersti Cleinow, Kilian Hughes, Kathrin und Tina Büchner und Julia Brand mit großem Engagement. Kurz vor der Konzertpause waren drei Beiträge mit fast schon semi-professionellen Niveau zu hören. So spielte Bertram Hartig (19) das Impromptu in Ges-Dur von Franz Schubert. Sabine Wittmer (15), Preisträgerin des Klavierwettbewerbs der Klaviertage, hat sich den bei der Preisverleihung geäußerten Rat von Prof. Demus, sich um „mehr Feuer“ in ihrem Klaviervortrag zu bemühen, zu Herzen genommen. Das stellte sie in einer beachtlich ambitionierten Interpretation von Brahms‘ e-Moll-Intermezzo unter Beweis. Thomas Wirsing (19), der sich beim Klavierwettbewerb als engagierter Interpret moderner Klaviermusik erwiesen hatte, interpretierte die Polonaise c-Moll von Fr. Chopin. (…) Nach der Pause (…) folgte der eigentliche pianistische Höhepunkt des Abends mit ehemaligen Schülern der Klavierklasse. Susanne Schlereth (19), mittlerweile Studentin am Würzburger Konservatorium, zeigte in einer mitreißenden Interpretation von Griegs e-Moll-Sonate eine erstaunlich dynamisch differenzierte Ausdrucksbreite ihres Klaviertons. Barbara Zeller (26), die nach einem abgeschlossenen Klavierstudium an der Würzburger Musikhochschule nun selbst an der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg lehrt und zur Zeit an der Musikhochschule Detmold ihre pianistische Ausbildung vervollständigt, war mit den Etudes Tableaux Nr. 1 und 9 von Sergej Rachmaninow zu hören. Sie musizierte mit stupender Technik auf höchstem musikalischem Niveau, mit Verve und ambitionierter Professionalität. Zum Abschluß dann Matthias Fischer, vielfacher Wettbewerbspreisträger, der sich mit gewohnter pianistischer Eleganz als herausragendes (…) Talent mit der Interpretation des Scherzos Nr. 4 von Fr. Chopin bewies. Alles in allem war die Klaviersoirée eine gelungene Demonstration pädagogischen Wirkens, die die Erwartung auf Fortsetzung weckt.

Main-Post Bad Kissingen, 3.5.1993
Peter Rottmann

Klavier total von Bach bis Gershwin

Die Private Klavierklasse Gernot Tschirwitz gab im Kleinen Kursaal ihr 21. Konzert

Schon der Anblick des Podiums (…) versprach viel: zwei Flügel, Pauken, Trommeln, Becken und allerlei anderes Schlagwerk. Die Konzerte der Privaten Klavierklasse Gernot Tschirwitz waren schon immer gut für positive musikalische Überraschungen. Und das Publikum weiß es zu schätzen. Schon längst haben diese Konzerte den Rahmen der üblichen Hausmusikabende mit stolzen Eltern und Großeltern gesprengt, kommen auch viele Zuhörer, die nicht verwandt oder verschwägert sind, sondern die die Musik und die jungen Künstler erleben wollen. Mit 22 Teilnehmern und 26 Auftritten war das Programm wieder ein zweieinhalbstündiger Marathon, aber ein durchaus (…) kurzweiliger, weil sich die Alters- und Könnensgruppen abwechselten, und weil die Stücke zwar schwer, aber nie zu schwer waren. Überfordert war an diesem Abend niemand. Wunderkinder (…) waren nicht zu bestaunen, aber sehr viel Talent. Und es war richtig, daß es sich zeigte. Denn das Vorspielen vor mehr als hundert Leuten und vielen kritischen Klassenkameraden fördert nicht nur die Nervenkraft und das Selbstbewußtsein, sondern auch die Motivation für das gelegentlich lästige Üben. (…) Die Jüngeren unter den Nachwuchskünstlern – etwa die Hälfte (!) war jünger als zwölf Jahre, und die Grenzen sind natürlich fließend – spielten methodische Übungen aus ihren Heften oder kleine Sätze berühmter Komponisten, und sie bewiesen bereits ein erstaunliches Rhythmusgefühl und ersten Gestaltungswillen: Tirza Kohl, Johannes Drechsler, Teresa und Mareike Dittmer, Martin Stoll, Frances und Patrick Lauer, Carlos Menéndez, Christine Nachtmann, Flavia und Kilian Hughes, Katrin Büchner, Claire Zechiel, Sabine Wittmer und Matthias Eder. Auch wenn bei manchem der Klavierstuhl bis zur letzten Windung hinaufgedreht werden mußte – der Ernst war bei allen gleich groß. Die Großen zeigten eindrucksvoll, was ein systematischer Unterricht und musikalisches Talent bewirken können: Susanne Schlereth mit der zupackenden Fuge aus Bachs Konzert für zwei Klaviere C-Dur oder der rhythmenseligen „Brazileira“ aus Milhauds Scaramouche-Suite (beides zusammen mit Gernot Tschirwitz) und Schuberts sehr differenziertem B-Dur-Impromptu. Mit dem Ges-Dur-Impromptu demonstrierte Bertram Hartig seine Gestaltungsfähigkeit, mit Mozarts d-Moll-Fantasie Tina Büchner. Und Irene Bösel (als Gast) – sie studiert mittlerweile Kirchenmusik – steuerte das Allegro barbaro von Bartók und eine der Arabesken von Debussy bei. Glanzpunkte des Abends waren die Beiträge von Barbara Zeller (als Gast), die in Würzburg studiert. Sie spielte Skrjabins Fis-Dur-Sonate und zwei der Drei Klavierstücke op. 11 von Arnold Schönberg außerordentlich durchdacht und durchgestaltet. Matthias Fischer war der Solist bei Gershwins Concerto in f in der Fassung für zwei Klaviere und Schlagzeug – eine vergnügliche, deftige und farbenfreudige Interpretation, die dem Komponisten im Grunde genommen gerechter wurde als die Orchesterfassung.

Saalezeitung Bad Kissingen, 26.7.1991
Thomas Ahnert

Trotz des musikalischen Ernstes mit Spaß bei der Sache

Die Private Klavierklasse Gernot Tschirwitz gab ihr 18. Schülerkonzert – Der Weiße Saal ist zu klein geworden

Die Wahl des Raumes war durchaus ein Zeichen dafür, daß die Konzerte der Privaten Klavierklasse von Gernot Tschirwitz sich bei den Bad Kissinger Musikfreunden zunehmender Beliebtheit erfreuen. Längst kommen nicht mehr nur die Eltern und Geschwister, sondern es hat sich herumgesprochen, daß bei den Konzerten auf durchweg hohem Niveau ein interessantes und unterhaltsames Programm geboten wird. So erwies sich erstmals der Weiße Saal als zu klein für den Zuspruch, die Klasse mußte auswandern in den Kleinen Kursaal.  (…) Das Programm dieses Schülerkonzerts, an dem sich alle 22 Nachwuchspianisten aus Bad Kissingen und Umgebung beteiligten, war wieder mit sehr viel Fingerspitzengefühl zusammengestellt, aber überforderte niemanden. Natürlich war viel Lampenfieber dabei, aber es ließ sich nicht übersehen, daß die Jugendlichen auch ihren Spaß daran hatten, ihr Können zu zeigen. Denn weiterentwickelt seit dem letzten Konzert hatten sich alle. Wieder bewährte sich das Konzept, die Jahrgangsstufen zu mischen, nicht nach Altersstufen vorzugehen, die anspruchsvollen Werke nicht en bloc zu präsentieren und so die Zuhörer zu ermüden. Denn der Abend war aufgrund der großen Teilnehmerzahl lang. Mit großem Ernst und roten Backen musizierten die Jüngsten. (…) Sie überzeugten dabei mit dem fundierten Rüstzeug, der rhythmischen Sicherheit oder der gleichmäßgen Beherrschung beider Hände. Bei der mittleren Gruppe waren schon anspruchsvollere Werke dabei: Kilian Hughes, Kersti Cleinow, Tina Büchner, Christian Lenhart, Claire Zechiel, Matthias Eder und Stefan Ammersbach spielten unter anderem kleine Stücke von Mozart, Bach oder Walzer von Schubert. Bei ihnen zeigte sich bereits die Ablösung vom Notentext zu einer individuellen Gestaltung, die Fähigkeit, nicht in einzelnen Tönen, sondern in Linien zu denken. Die Großen hatten wieder aus der berühmten Literatur geschöpft. Sie begeisterten ausnahmslos durch die ganz individuelle Gestaltung, durch eine gute Durchdringung und die Fähigkeit, den musikalischen Gehalt zu artikulieren und mit Klangfarben zu arbeiten. Dabei erwiesen sie sich als glänzende Techniker, die auf die Hilfe des verschleiernden Pedals verzichten konnten. Matthias Fischer, der „Star der Truppe“, bei dem man sich das Staunen schon abgewöhnt hat, spielte Chopins As-Dur-Ballade und ein Präludium mit Fuge aus Bachs WTK, wie auch Susanne Schlereth, die noch ein Prélude von Debussy beisteuerte; auch Bertram Hartig, der zusätzlich einen Ausschnitt aus Alban Bergs „Variationen über ein eigenes Thema“ bot, und Tina Büchner hatten sich Stücke des berühmten französischen Impressionisten ausgesucht. Eva Maria Gortner spielte eine galante Sonatine von Friedrich Kuhlau, Rosi Orion einen Satz aus einer der festlichen Suiten von Händel und Almut Drummer einen sehr persönlich gestalteten Satz aus der c-Moll-Sonate von Mozart. Mit dem Trauermarsch aus Beethovens Sonate op. 26 begeisterte Thomas Wirsing ebenso wie Ulrike Pfeffer mit einem Walzer von Rachmaninow. Man kann bereits jetzt auf das nächste Konzert der Klasse gespannt sein.

Saalezeitung Bad Kissingen, 24.7.1990
Thomas Ahner
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Fleißig und flink übers kostbare Elfenbein

Nachwuchstalente am Klavier konzertierten in der Hartwaldklinik Bad Brückenau

Ein „Marathon“ war’s schon, aber wenn sich 16 junge Talente in der Hartwaldklinik am Klavier präsentieren, und das Programm soviele Erinnerungen an den eigenen Klavierunterricht weckt… Aber auch für die Eleven des Bad Kissinger Klavierpädagogen Gernot Tschirwitz war es wohl ein besonders Ereignis. (…) Wenn die Altersspanne der Interpreten von sieben bis 22 Jahren reicht, dann ergeben sich zwangsläufig qualitative Unterschiede. Auffällig jedoch der schon den „Klaviersäuglingen“ eigene, klare und doch differenzierungsfähige Anschlag, der dokumentiert, daß in dieser Privaten Klavierklasse eine mustergültige pädagogische Arbeit geleistet wird. Sie gipfelt in den Vorträgen der Preisträger im Wettbewerb „Jugend musiziert“, die mit Leistungen gefielen, denen zur Konzertreife nur wenig fehlt. Allen voran die 18jährige Kissingerin Susanne Schlereth. Im einstimmigen Laufwerk von Bachs „Chromatischer Fantasie“ bestach sie mit technischer Souveränität, bewies musikalische Gestaltungskraft von erstaunlicher Reife. Die D-Dur-Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier erklang in durchsichtigstem Filigran. Ein Höhepunkt war mit Johannes Brahms‘ g-Moll-Rhapsodie erreicht, stürmisch drängend, voller Pathos. An die dreiteilige Sinfonia aus Bachs c-Moll-Partita wagte sich Matthias Fischer heran, in der Brückenauer Musikszene kein Unbekannter mehr. Dem Grave von erstaunlicher geistiger Tiefe folgte ein flüssig perlendes Andante mit deutlich profiliertem Diskant; im Stil einer Invention präsentierte sich das Allegro mit durchgängigem Portato. Das Rauschen des Meeres und des Windes, die Rufe der Fischer, das Geschrei der Möwen waren in Debussys „Les collines d’Anacapri“ zu hören; feinste dynamische Nuancierungen, flexible Tempi und sensible Einzeltonbehandlung waren nötig, um dem Werk die Leuchtkraft der besonderen Faszination zu geben. Im Wechsel von liedhaft-schlichten Partien und virtuosen Passagen liegt der besondere Reiz von Chopins F-Dur-Ballade. Matthias Fischer gestaltete das Werk zum krönenden Abschluß des Abends, baute gewaltige Steigerungen zu glanzvollstem Fortissimo auf und schöpfte die dynamischen Möglichkeiten des Instrumentes aus. Den hohen Anforderungen des „Marcia Funebre“ aus Beethovens As-dur-Sonate an die Gestaltungskraft wurde Thomas Wirsing, Bad Kissingen, gerecht. Auch er hinterließ mit seiner durchdachten Wiedergabe einen tiefen Eindruck. Elegisch-stimmungsvolle Töne scheinen ihm am ehesten zu liegen; auch in Chopins a-Moll-Mazurka op. 7,2 traf er den Stimmungsgehalt. Zwei kleine Bachsche Präluidien trud die 15jährige Rosi Orion zum Programm bei, gestuft, mit sauberer Akzentsetzung. Auch durch ein paar kleine Patzer ließ sich Bertram Hartig im Presto des Italienischen Konzertes nicht irremachen, sondern spielte gelassen und gediegen. Spielleute, Gaukler und fahrendes Volk ließ er im Debussy-Pélude „Minstrels“ auffahren. Der 22jährige Matthias Pfister (Würzburg) setzte mit der dritten aus Anton Weberns Variationen op. 27 einen interessanten Farbakzent. Mit Akribie bemühte er sich, die zahlreichen Vortragsbezeichnungen des Komponisten von der Partitur in die Klaviatur zu übertragen und drang überzeugend in die Ästhetik zwölftonaler Satztechnik ein. (…) Das Publikum zeigte sich großzügig mit verdientem Beifall.

Saalezeitung Bad Kissingen, 17.3.1990
Michael Klein

Auf dem Weg zu pianistischen Weihen

Konzert der Privaten Klavierklasse Tschirwitz im Hammelburger Gymnasium

Die Idee sollte ernsthaft ins Kalkül gezogen werden: den Konzertabend der Privaten Klavierklasse Gernot Tschirwitz in der Aula des Frobenius-Gymnasiums Hammelburg zur Institution werden zu lassen. In Bad Kissingen ist er schon seit Jahren fest etabliert und lockt ein großes Publikum, das weit über den Kreis der Angehörigen hinausgeht, zeigt er doch exemplarisch, was mit einer gezielten Ausbildung in puncto Klavierspiel zu erreichen ist. Die acht jungen Pianisten, die in Hammelburg auftraten – sie sind zwischen zehn und 16 Jahre alt – sind gleichsam die Leistungsspitze der Klavierklasse, und sie stellten sich mit einem ehrgeizigen Programm vor. (…) Auch wenn der Jüngste der Künstler erst zehn Jahre alt ist, war das Programm alles andere als einfach, auch wenn man nie den Eindruck hatte, daß es Überforderung bedeutet hätte. Da fanden sich Namen wie Bach und Beethoven, Genzmer und Grieg, Schostakowitsch und Chopin; da erklangen berühmte Partiten und Präludien, Sonaten und Sonatinen, Kompositionen, die zum bekannten Standardrepertoire gehören, ebenso wie selten gespielte oder klavierpädagogische Werke. Das Spektrum war (…) in der Tat umfassend. Noch erstaunlicher als die Qualität des Programms war allerdings die Qualität seiner Umsetzung. Dabei erwiesen sich die acht jungen Leute, natürlich ihrem Alter entsprechend, nicht nur als technisch sehr gut ausgebildet (…). Sondern es zeigte sich auch, daß sie offensichtlich stets aufgefordert werden, ihre eigene Persönlichkeit ins Spiel zu bringen, daß sie von Anfang an lernen, Werke nicht nur zu spielen, sondern auch zu gestalten, ihnen Charakter zu geben. Dazu scheint Gernot Tschirwitz bereits sehr früh das Augenmerk seiner Schüler auf die Bedeutung und die Möglichkeiten des Anschlags zu lenken. Denn alle spielten auf der Basis eines trockenen Tones, der viel Spielraum zu Variationen läßt; das Pedal wurde wirklich nur zur Gestaltung und nicht zur Vertuschung eingesetzt. Vor allem Matthias Fischer, der in den letzten Jahren eine ganz erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat, trieb sein Spiel in diesem Sinne bis an die Grenzen; allerdings nicht an seine eigenen, sondern an die des Flügels. (…)

Saalezeitung Bad Kissingen, Januar 1990
Thomas Ahnert

Sichtbarmachung eines permanenten Lernprozesses

Die Private Klavierklasse Gernot Tschirwitz gab einen Klassenabend im Weißen Saal (…)

Die drangvolle Enge war bereits bekannt. Man fühlte sich ein wenig erinnert an den Klavierabend von Oleg Maisenberg. Die Konzerte der Klavierklasse Tschirwitz erfreuen sich offensichtlich ähnlicher Beliebtheit wie der Auftritt des russischen Starpianisten. Das soll keine Vergleiche provozieren, aber es zeigt, daß die jungen Künstler im Kissinger Konzertleben mittlerweile eine Attraktion weit über den Kreis der Angehörigen und Freunde hinaus darstellen, dass sie es als Erfolg für sich verbuchen können, daß immer mehr unbeteiligte Klavierbegeisterte sich für das interessieren, was sie in ihrem Unterricht erarbeiten. Und da hatten sie wieder Erstaunliches zu bieten: 34 Klavierstücke an einem Abend – da konnte einem durchaus Angst werden. Doch das Programm war zwar lang, aber zu keinem Zeitpunkt langweilig. Denn es bot wieder eine abwechslungsreiche Synthese von berühmten Werken der Klavierliteratur und kleinen Etüden aus den Klavierbüchern. Aber auch der stete Wechsel der 24 Interpreten – erstmals trat die gesamte Klasse an – hatte seinen Reiz, der Wechsel der Temperamente, der Fähigkeiten; immerhin spannte sich der Altersbogen von sieben bis 22 Jahre. Perfektion war durchaus ein Ziel des Abends, aber sie stand nicht im Mittelpunkt. (…) Wesentlich war – für Musiker und Zuhörer – der Spaß an der Sache, der Stolz über den Fortschritt, der bei allen in erstaunlichem Maße deutlich war, und die Freude am Auftritt, die sich trotz Lampenfieber durchaus einstellen kann. Daß dabei auch noch eine ganze Reihe bemerkenswerter Interpretationen herauskam, macht die Sache umso erfreulicher. (…) Es würde den Rahmen sprengen, alle Werke, die an diesem Abend gespielt wurden, zu nennen, obwohl es sich lohnen würde, denn die Liste wäre prominent. Aber es war vor allem interessant, die einzelnen Spielertypen zu beobachten, die zwar alle unverkennbar denselben Lehrer haben, aber dennoch, dank einer offensichtlich sehr soliden technischen Ausbildung, ganz eigene Interpretationsansätze boten. Matthias Pfister etwa, der sich an die nicht nur technisch schwierigen Variationen für Klavier von Anton Webern machte und den Mut zu einer ganz persönlichen Gestaltung hatte, oder Martina Böhm, die ein erstaunlich abgeklärtes Brahms-Intermezzo spielte. Da waren Bertram Hartig, Thomas Wirsing und Ulrike Pfeffer, die jeder einen Chopin-Walzer spielten, jeder mit anderem Zugriff, anderen Anschlagsvorstellungen, anderen Klangfarben. Almut Drummer hatte sich Präludium und Fuge D-Dur aus Bachs WTK ausgesucht und gab der äußerst schwierigen Fuge einen geradezu tänzerisch-leichten Charakter. Rosi Orion spielte mit schöner Klarheit und Konsequenz „Drei rhythmische Studien“ von Matyas Seiber. Carsten Klein steuerte den dramatisch sehr gut aufgebauten Marcia funèbre aus der berühmten b-Moll-Sonate von Chopin bei, Susanne Schlereth unter anderem dessen sehr energisch und bunt intonierte A-Dur-Polonaise. Den Abschluß gestalteten – nicht zu Unrecht – Stefan Seybold mit dem über weite Strecken souveränen Fantaisie-Impromtu cis-Moll, einer auf ihre dramatische Wirkung genau auskalkulierten Interpretation, und Matthias Fischer, der schon im vergangenen Jahr Aufsehen erregt hatte. Der 15jährige mit dem gestalterischen Willen eines 30jährigen glänzte da mit der F-Dur-Ballade, die er mit seiner technischen Lockerheit und seinem Gespür für Nuancen und Überraschungen, die er auch umsetzen kann, zu einem außerordentlichen Erlebnis machte. Nach dem „Kissinger Sommer“ tat der Blick in eine „Klavierwerkstatt“ direkt gut.

Saalezeitung Bad Kissingen, 21.7.1989
Thomas Ahnert

Ambitioniertes Programm in erstaunlichem Maße realistisch

Gernot Tschirwitz veranstaltet Schülerkonzert im Weißen Saal –  Kompositionen von Beethoven, Mozart und Chopin

Natürlich war es ein Risiko, das Gernot Tschirwitz beim Schülerkonzert seiner Kissinger Klavierklasse im Weißen Saal einging: Sätze aus Sonaten von Beethoven oder Mozart, vor allem aber der ganze zweite Teil des Abends mit Kompositionen von Frédéric Chopin, die zum bekannten Repertoire der  Pianisten gehören und damit vertraut sind, und die in ihrer Vertrautheit leicht vergessen machen, wie schwierig sie zu spielen sind – das konnte Vorbehalte wecken. Dazu kam, daß die „alte Garde“, mit der Gernot Tschirwitz vor sechs Jahren seinen Unterricht in Bad Kissingen begann, seine Obhut verlassen hat und nun in anderen Städten Musik oder andere Fächer studiert. Ob es gelungen war, diese Lücken zu füllen, war eine Frage, die sich weniger die Eltern stellten, die mitunter aufgeregter waren als die jungen Künstler selbst, sondern die unbetroffenen Zuhörer, die zusehends immer zahlreicher den Weg zu diesen Konzerten finden. Andererseits ist Gernot Tschirwitz ein zu skrupulöser Pädagoge und Pianist, als daß er seine Schüler gerade bei öffentlichen Auftritten überfordern würde. Und so erwies sich das ambitionierte und umfangreiche Programm in ganz erstaunlichem Maße als realistisch und angemessen, die Interpretationen offenbarten verblüffende Qualitäten. (…) Wieder gab es drei Gruppen, sozusagen eine Unter-, Mittel- und Oberstufe. Wobei die Grenzen natürlich fließend waren. (…) Die Mittelstufe bedeutete ein Heranführen an die großen Komponisten und ihre Werke, nicht nur an die technische, sondern auch an die inhaltliche Seite eines Werkes. Sie lenkte das Augenmerk auf die Anschlagsschulung oder auf das Gleichgewicht der beiden Hände. Da spielten Rosi Orion und Carsten Klein zwei Präludien aus dem 1. Band von Bachs WTK mit sehr klarem Anschlag und durchdachter Phrasierung. Matthias Pfister steuerte aus dem 2. Band Präludium und Fuge C-Dur bei. Vor allem letztere spielte er mit einer ganz erstaunlichen Konsequenz und Transparenz. Felizitas Rott gelang es beim ersten Satz aus Beethovens Sonate op. 49,2 schon über weite Strecken, sich von der Notenvorlage zu lösen, ihrer Interpretation ein eigenes, leichtes Profil zu geben. Und Almut Drummer entwickelte bei Prokofjews bizarrem „Tanz der Heuschrecken“ und dem ersten Satz aus Mozarts B-Dur-Sonate sehr persönliche und durchdachte expressive Ausdeutungen. (…) Und dann war da schließlich der Glanzpunkt des Abends, die Gruppe von Schülern, die sich an Chopin-Werke heranwagen konnten und zum Teil auch schon vorher andere Werke gespielt hatten. Da konnte man nur noch staunen, was Talent und kontinuierliche Arbeit zum Teil in kürzester Zeit bewirken können, zu welch reifen und ausgereiften Interpretationen Jugendliche fähig sein können, zu welch technischen und geistigen Leistungen sie geführt werden können. Da war etwa Bertram Hartig (13), der die Valse As-Dur op. 69,1 erstaunlich abgeklärt, mit großer Anschlagskultur und durchdachter Tempogestaltung spielte. Da war Thomas Wirsing, der die a-Moll-Mazurka op. 7,2 sehr introvertiert, über weite Strecken geradezu grüblerisch anlegte, der bereits die Ruhe hatte, auch den Pausen ihren gestalterischen Eigenwert zu geben. Einen reizvollen Kontrast dazu bildete Ulrike Pfeffers Valse cis-Moll op. 64/2, leicht und luftig und mit gut durchdachten Tempovorstellungen gespielt. Susanne Schlereth arbeitete beeindruckend die Spannung zwischen wuchtigen Akkordschlägen und ihrer verträumt-verspielten Auflösung in der cis-Moll-Polonaise op. 26,1 heraus, und Irene Bösel – sie war zum letztenmal dabei – gab der Etude Ges-Dur op. 10,4 trotz der immensen Schwierigkeit eine sehr dichte, vorwärtstreibende Gestaltung. Zu einer kleinen Sensation geriet die Interpretation der Ballade g-Moll op. 23 durch Matthias Fischer; da ging ein Raunen durch den Saal. Wie sehr der an diesem Tage fünfzehn Jahre alt gewordene junge Künstler kontrollierte Emotionen umsetzte, wie er mit zupackender Aggressivität grelle Farben malte, aber auch ungemein lyrisch zeichnete, und wie er das ganze lange Stück über mit vollem Risiko spielte, das rief einhellige Verwunderung und Begeisterung hervor. Stefan Seybold, der Senior der Klasse, bot dazu einen Gegenpol. Sein b-Moll-Scherzo war nicht weniger eindrucksvoll, aber von sachlicher Distanz, bis in den letzten Ton auf die Wirkung kontrolliert und von nahtloser konzeptioneller Geschlossenheit, quasi ein möglicher Zielpunkt pianistischer Ausbildung. Das Konzert hat eindrucksvoll gezeigt, daß die Lücke mehr als nur aufgefüllt wurde. Auf die weitere Entwicklung dieser „neuen Garde“ kann man nur gespannt sein.

Saalezeitung Bad Kissingen, 15.11.1988
Thomas Ahnert

Nicht Perfektion, sondern Freude gibt den Ausschlag

Alle Klavierschüler (…) boten wieder erstaunliche Leistungen – Weißer Saal faßte nicht die große Zuhörerzahl

Die Schülerkonzerte der Privaten Klavierklasse Gernot Tschirwitz haben längst den Rahmen der Feier im kleinen Kreis gesprengt. (…) Das Interesse der Öffentlichkeit an dieser Veranstaltungsreihe ist ständig gewachsen, und so war es nicht verwunderlich, daß (…) der Weiße Saal des Regentenbaus nicht alle Zuhörer aufnehmen konnte, die gekommen waren; einige mußten sich im Vorraum niederlassen. (…) Die jüngeren und jüngsten unter den Künstlern waren sich der Bedeutung des Augenblicks durchwegs bewußt, alle spielten mit großem Ernst und kämpften tapfer gegen das Lampenfieber. Dabei kam ihnen die Auswahl der Stücke sehr entgegen: sie waren kurz, prägnant, und forderten sie nicht bis an die Grenze ihres Könnens; und wer den Anfang ein bißchen verstolperte, konnte einfach noch einmal starten. Dabei erwies es sich als geschickter Schachzug, daß Gernot Tschirwitz mit Ihnen allen zunächst mindestens ein Stück vierhändig spielte. Kilian Hughes und Tina Büchner waren die beiden Jüngsten der Gruppe (…), danach folgten Christian Lenhart, Stefan Ammersbach, Cornelius Rott, Dagmar Wurst und Stefanie Emmerich. Man möge verzeihen, daß nicht alle Stücke genannt werden, die Liste würde den Rahmen sprengen. Bei allen Interpreten wurde deutlich, daß Gernot Tschirwitz nicht nur Wert auf die Schulung der Fingerfertigkeit legt, sondern daß er auch in hohem Maße den Gestaltungswillen seiner Schüler fördert. Alle verfügten über ein gut ausgeprägtes Rhythmusgefühl und über die Fähigkeit zu sinnvoller Phrasierung und gestaltender Dynamik; jedes dieser kleinen Werke hatte seinen ganz eigenen Charakter, in dem sich auch das Temperament des Spielers manifestierte. Sehr schön verdeutlichten das Simone Unbehaun mit der zarten, geradezu delikaten „Pavane de la belle au bois dormante“ von Ravel und Felizitas Rott mit zwei sehr prägnanten Sätzen aus Schumanns „Kinderszenen“. Den älteren Schülern, die fast ausnahmslos solistisch spielten, merkte man die Routine, die sie sich bei diesen Vorspielabenden bereits erworben haben, deutlich an. (…) Technisch nicht überfordert, konnten sie einen Großteil ihres Augenmerks auf die Gestaltung richten und so sehr schöne Interpretationen auch schwierigerer Werke bieten wie Christopher Emmerich und Thomas Wirsing mit zwei sehr transparenten Inventionen von Bach; letzterer auch noch mit einem Satz aus einer Mozart-Sonate, die er dynamisch sehr abwechslungsreich gestaltete.. Auch Susanne Schlereth hatte sich zwei Werke aus verschiedenen Epochen ausgesucht: Präludium und Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier, präzise und klar gespielt, und als Gegensatz ein mit großer musikalischer Gebärde gespieltes Chopin-Prélude. Zusammen mit Gernot Tschirwitz spielte Ulrike Pfeffer einen Ungarischen Tanz von Brahms, ein technisch schwieriges Stück von großer Farbigkeit. Auch Irene Bösel hatte zwei Stücke vorbereitet, einen Satz aus der Beethovensonate G-Dur op. 14/2, den sie sehr spannungsreich spielte, den ganzen Bereich der dynamischen Möglichkeiten nutzend, und das wunderschön lyrische gestaltete Intermezzo A-Dur op. 118/2 von Johannes Brahms. Und schließlich hat Gernot Tschirwitz noch eine Gruppe von Schülern und Schülerinnen, die zwar aus Ausbildungsgründen nicht mehr in Bad Kissingen wohnen, die aber immer noch, wenn auch sporadisch, zu ihm zum Unterricht kommen und auch zu den Klavierabenden. Sie demonstrierten auf eindrucksvolle Weise, was ein kontinuierlicher Unterricht in der Jugend bewirken kann; hier paarte sich Können mit Routine. Robert Eberlein spielte drei Sätze aus einer Klaviersuite von Händel. Er tat das mit großer Klarheit und schöner Strukturierung. (…) Zu einem großartigen Erlebnis geriet seine Interpretation von Präludium und Fuge d-Moll von Schostakowitsch. Seine analytische Spielweise machte vor allem die Fuge zu einem Erlebnis. Stefan Seybold hatte die b-Moll-Romanze von Schumann vorbereitet, ein Werk, das durchgehend großen Einsatz erfordert, und das er dennoch sehr gut gestaltete, so daß nie die Gefahr der Verwischung entstand. Ulrike Strauch spielte die cis-Moll-Etude von Chopin, die sie aus einer nachdenklichen Themavorstellung sich mächtig entwickeln ließ, und Johannes Bösel steuerte das cis-Moll-Prélude von Rachmaninow bei, dessen Stimmungen er sehr stark differenzierte und dessen Macht er mit vollem Risiko herausarbeitete. (…) „Es muß nicht perfekt sein, aber Spaß machen“, hatte Gernot Tschirwitz bei der Begrüßung gesagt, und unter diesem Aspekt kann man den Abend nur als einen gelungenen bezeichnen.

Saalezeitung Bad Kissingen, 23.1.1988
kat.

Eine kulturelle Leistung allerersten Ranges

Gernot Tschirwitz‘ „Kissinger Klaviertag“ im Kleinen Kursaal des Regentenbaues

Wir hatten bisher mehrfach auf die Verdienste des seit vier Jahren auch in Bad Kissingen wirkenden Klavierpädagogen und (…) Künstlers Gernot Tschirwitz hingewiesen, zum ersten Mal aber nun die Gelegenheit, die Früchte seines Unterrichts an den Schülern selber in Ohren- und Augenschein zu nehmen. Schien der Titel seiner Pianisten-Heerschau auf Plakaten und Programmen mit „Kissinger Klaviertag“ zunächst etwas hochgegriffen, so konnte man sich nun davon überzeugen, daß dem nicht so war. Die stattliche Anzahl von 24 jungen Menschen, die sich alle mit Eifer in den Dienst hochwertiger musikalischer Kunst und Kultur stellen, rechtfertigt ihn schon rein äußerlich. Wie das aber bei den reiferen (18-bis 21jährigen) geschah, das ließ die Herzen der Zuhörer höher schlagen und begeisterte die (…) Musikfreunde. (…) Und hier muß nun der 1976 viel zu früh verstorbene Bad Kissinger Komponist Robert Saar hervorgehoben werden. Er hat (..) auch kühne, höchst anspruchsvolle konzertante Musik geschrieben, wofür sein „Concertino für Klavier, Streicher und Schlagwerk“ ein signifikantes Beispiel ist. Es enthält bei harmonischer Freitonalität viel Substanz und Ausdruckskraft. Barbara Zeller spielte den ersten Satz daraus zusammen mit dem am zweiten Flügel überaus geschickt sowohl den Streicherpart wie auch das Schlagzeug markierenden Tschirwitz mit enormem Schwung und kostete auch alle inhärente Farbigkeit voll aus. Beide erweckten den Wunsch, das Werk auch einmal in Originalgestalt mit Streichorchester und Schlagzeug zu hören. (…) Johannes Bösel brillierte zusammen mit seinem Lehrer am zweiten Flügel mit dem ersten Satz aus Bachs Konzert C-Dur für zwei Klaviere und Streicher. Johanna Hösch versah dabei den Orchesterpart am Pianino vorbildlich. Robert Eberlein ging bei Haydns c-Moll-Klaviersonate erst langsam aus sich heraus, um sich im 2. Programmteil im dritten Satz von Haydns Klavierkonzert D-Dur in die Verlaufskurve des Werkes hineinzusteigern. (…) Irene Bösel brachte die Poesie im ersten Satz der Klaviersonate a-Moll op. 42 von Franz Schubert mit richtiger Phrasierung eindrucksvoll zur Geltung und bewährte sich auch im ersten Satz von Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 488 (…) bestens als angehende Konzertpianistin. Viel romantischen Sinn und Chopinsche Klangkultur bewies die plastisch gestaltende und zu großen Steigerungen fähige Ulrike Strauch bei des polnischen Meisters Grande Valse As-Dur; bei des Zeitgenossen Walter Leigh dem Geiste Debussys und Ravels nahestehendem „Concertino für Klavier und Streicher“ zusätzlich impressionistische Farbigkeit. Vor dem Schluß- und Höhepunkt bot Stefan Seybold den zweiten Satz aus Dittersdorfs Klavierkonzert A-Dur plastisch und ausdrucksvoll. (…) Den absoluten Höhepunkt (…) des herzerwärmenden Abends aber bildete die Wiedergabe des ersten Satzes aus Schumanns herrlichem Klavierkonzert durch Johanna Hösch und den wahre orchestrale Effekte aus dem 2. Flügel hervorzaubernden Mitgestalter Gernot Tschirwitz. Die Pianistin offenbarte Reife in der Gestaltung der höchst sensiblen, mit sublimer Agogik ausgestatteten wundervollen lyrischen Partien; andererseits Kraft zur Bewältigung der Eruptionen und mächtigen Zusammenballungen. (…) Sie lieferte ein Meisterstück pianistischer Kunst im Dienste symphonischen Höhenfluges und brachte (…) Schumanns einzigartiges Großwerk zu hin- und mitreißender Wirkung. Man konnte angesichts von so viel hoffnungsvoller, einsatzfreudiger Jugend, von so viel autochthoner künstlerischer Potenz seine reine Freude haben, zumal dies ohne jede öffentliche Subvention zum Vorschein kam. (…)

Saalezeitung Bad Kissingen, 10.6.1987
Otto Eisenburger

Musik-Eleven wagten Sprünge über den Schatten

Konzertabend der Privaten Klavierklasse Tschirwitz mit Sitzplan-Nöten – Beeindruckende Leistungen

Eine völlig neue, im wahrsten Sinn des Wortes „bedrängende“ Situation ergab sich (…) beim abendlichen Schülermusizieren der Privaten Klavierklasse Tschirwitz in Verbindung mit der Blockflötenklasse Christa Maria Reinhardt: Die Plätze reichten nicht aus, zusätzliche Stühle wurden gebracht, alle Klavierspieler stellten die für sie reservierten Plätze zur Verfügung, und doch kam der Augenblick, wo weitere Interessenten wegen Platzmangels abgewiesen werden mußten. Mit diesem Interesse, das sich schon am Morgen, als die (…) im Durchschnitt 10- bis 13jährigen ihr Können vorführten, in ähnlichen Besucherzahlen geäußert hatte, wird der große Einsatz zweier Musikpädagogen gewürdigt, deren musikalische Basisarbeit man nicht hoch genug einschätzen kann. Das sehr abwechslungsreich gestaltete Abendprogramm brachte durch die Bank brauchbare bis sehr gute Leistungen, bei denen teilweise doch erhebliche Schwierigkeiten gemeistert wurden, ohne daß der Zuhörer schmerzende Ohren bekam. Das für ein Schülermusizieren hohe Niveau beeindruckte. Unter den vielen jungen Künstlern ragten einige besonders heraus: etwa die 13jährige Kissingerin Susanne Schlereth, die die Tempi in Schumanns Kinderszenen zwar etwas langsam nahm, jedoch klar und sauber, sehr klangvoll und grundmusikalisch mit einer natürlichen Agogik spielte. Der 18jährige Robert Eberlein aus Hammelburg – er spielte auswendig – schien uns einer der musikalischsten aller Mitwirkenden zu sein. Zwar ist der zweite Satz aus Mozarts C-Dur-Sonate relativ leicht zu spielen, auch ging er die Tempi beinahe etwas zu forsch an, doch er gestaltete diesen Satz überzeugend, sehr durchsichtig und souverän. Die gleichaltrige Ulrike Strauch, ebenfalls aus Hammelburg, die mit drei Klavierstücken auch hinsichtlich der Menge führte, spielte temperamentvoll, war äußerst tempo- und stilsicher und bot, mit einigen Abstrichen, eine hervorragende technische Leistung. Dies bezieht sich insbesondere auf das schwierige Allegro agitato aus Chopins Fantaisie-Impromptu cis-Moll, bei dem 16tel-Noten in der rechten mit 8tel-Triolen in der linken Hand zusammenkommen. Im Cantabile-Mittelteil bot sie, wie auch in Schumanns Romanze Fis-dur, ein sehr schönes melodisches Spiel, während sie sich im auswendig gespielten Walzer von Poulenc ein hörbares Bravo verdiente. Als Begleiterin der Reinhardt-Schülerin Angelika Warmuth am Cembalo führte sie, was nicht selbstverständlich ist, sehr einfühlsam und genau; die junge Solistin der „Cinquieme Suite“ von Pierre D. Philidor machte es ihr allerdings leicht. Ihr Flötenspiel war reif, lebendig und sehr beseelt. Gleiches läßt sich von der als Gast eingeladenen Christine Arnold sagen, die zusammen mit Lydia Spahn am Klavier das Allegretto aus Alexander Glasunows Elegie op. 44 zu Gehör brachte. Der schöne, einschmeichelnd-warme Ton ihrer Viola und ihr sicheres Spiel gefielen ebenso wie das ihrer Begleiterin. Die sichtliche Begeisterung, mit der die äußerst beifallsfreudigen Zuhörer mitgingen, hatte ihren Grund außer in der Leistung der Mitwirkenden auch in der aufgelockerten Programmfoge, die außer der Klassik auch moderne Musiker wie Satie oder Bresgen sowie, als gekonnte Auflockerung und „Gag“, Teile aus Matyas Seibers „Danse Suite“ einbezog. Hier hatte das Blockflötenquartett (das verstärkt durch die Lehrerin als Quintett bereits mit Teilen aus Dowlands „Lacrimae“ sehr schön im Ton der Zeit sein Können bewiesen hatte), begleitet von Daniel Reinhardt am Schlagwerk, seine große Stunde. James Last ließ grüßen bei diese fröhlich anregenden, lustigen und mit einem gewissen Pfiff gespielten Tänzen. Dazu paßten die von Ulrike Pfeffer vorgetragenen „Diversions on a Tone-Row“ von Denes Agay und der Klavier-Jazz à la Peterson von Daniel Reinhardt, der sich Ted Damerons „Lady Bird“ vorgenommen hatte. (…) Dieser Abend brachte das bisher beste Konzert dieser Reihe. Und das heißt auch: Die vor vier Jahren in Bad Kissingen begonnene Arbeit von Gernot  Tschirwitz beginnt, wie die von Christa Maria Reinhardt auch, immer schönere Früchte zu tragen. Und da ist noch viel zu erwarten.

Saalezeitung Bad Kissingen, 24.11.1986
Gisela Umenhof

Junge Künstler gaben Kostproben ihres Könnens

Schülerkonzert im Weißen Saal des Regentenbaus – Erstaunliches Niveau (…)

Sie heißen Dagmar, Sonja und Ulrike, Christopher und Sebastian, Felizitas und Simone. (…) Ihrer aller gemeinsamer Nenner ist die Tatsache, daß sie Schüler der Privaten Klavierklasse von Gernot Tschirwitz bzw. der Blockflötenklasse von Christa Maria Reinhardt sind. Und daß sie am 7. Schülerkonzert am Samstag Abend im Weißen Saal teilnehmen durften. Dieses Konzert war, so Gernot Tschirwitz, eine pädagogische Veranstaltung, die gleichzeitig am künstlerischen Niveau ausgerichtet sei und sein müsse. (…) Des Humors und der Nachsicht, welche Tschirwitz von den Zuhörern glaubte erbitten zu müssen, bedurfte es nicht. Ob Kinder- oder Wiegenlieder, Maien- oder Volkslieder, Menuette, Gigues oder gar ein Pasodoble, die Stücke waren dem Können der Jüngsten gut angepaßt und wurden mit vor Aufregung roten Ohren und Gesichtern, ernst und konzentriert und erstaunlich gut vorgetragen. Ein Bravo diesen Jüngsten, deren erleichtertes Lächeln nach dem Vortrag jeden anrührte, der es bemerkte. Die älteren Schüler, die den zweiten und dritten Teil dieses Konzertes bestritten, wirkten sicherer, doch merkte man auch hier bei vielen das unterdrückte Lampenfieber – natürlich! Das Niveau des Gebotenen war erstaunlich gut, das ausgesuchte Programm äußerst abwechslungsreich und vielfältig. Es reichte von Bach über (…) Galuppi, Beethoven, Brahms und Chopin bis hin zu Grieg, Ravel, Satie, Genzmer und Schönberg. Aus dem ganz allgemein guten Niveau ragten einige Begabungen und Talente merklich hervor (…): J.S. Bachs zweistimmige Invention F-Dur wurde sauber und mit großen Spannungslinien gespielt, der dritte Satz aus dem Italienischen Konzert (…) ganz hervorragend gebracht. Mit großer Freude lauschte man dem vierhändigen „En plus“ von Eric Satie, das mit seinen Rhythmuswechseln und den ganz anderen Klangfolgen einige Schwierigkeiten bot, die souverän gemeistert wurden. Die Ballade g-Moll op. 49,1 von Johannes Brahms wurde wuchtig und energisch, schwungvoll und mit großer Spannung sowie in den leisen Partien mit viel Einfühlungsvermögen vorgetragen. Ruhig und mit erstaunlichem Können erklangen die sehr unterhaltsamen, schönen Greensleaves-Variationen für (…) drei Blockflöten und Klavier. Und einfach schön war Eric Saties „Air that chase away“. Mit Namen nennen dürfen wir die 18jährige Barbara Zeller aus Bad Brückenau (…). Sie ist inzwischen Schülerin bei Prof. Kirsti Hjort, der Lehrerin auch von Gernot Tschirwitz. Sie musizierte sicher und nuanciert, sehr sensibel für die Wertigkeiten der Stücke von Grieg, Ravel und Schönberg und bestritt damit den dritten und letzten Teil, den Höhepunkt dieses überlangen Konzertes.

Saalezeitung Bad Kissingen, 25.11.1985
Gisela Umenhof